Publikationen: Neuerscheinungen

Philosophisch-historische Klasse
Mathematisch-naturwissenschaftliche Klasse
Akademiekonferenzen
Forschungsstellen

Philosophisch-historische Klasse

 

Im Halbschatten

Der Orientalist Hellmut Ritter (1892-1971)

Josef van Ess

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Harrassowitz Verlag, Wiesbaden, 2014, 257 S., ISBN 978-3-447-10029

 

Der Orientalist Hellmut Ritter (1892–1971), jüngerer Bruder des bekannten Historikers Gerhard Ritter, unterrichtete in der ersten Hälfte der zwanziger Jahre an der neu gegründeten Universität Hamburg und nach dem Krieg von 1949 bis 1956 an der Universität Frankfurt. Er war Schüler von Carl Heinrich Becker und blieb dessen Umkreis Zeit seines Lebens verbunden. Seine wissenschaftliche Reife erlebte Ritter jedoch in der kemalistischen Türkei und betrachtete die politische und geistige Entwicklung im Deutschland der Zeit nach 1933 aus spürbarer Distanz. Seine Kontakte mit der im Umbruch befindlichen Welt der osmanischen Gelehrsamkeit und den nach 1933 hinzukommenden deutschen Emigranten, die nach Atatürks Wunsch die türkischen Universitäten (vor allem in Istanbul und Ankara) reformieren sollten, gaben seinem Werk eine Weite des Blickes, die in der deutschen Orientalistik sonst kaum erreicht wurde. In seinen letzten Jahren wechselte er sein Forschungsgebiet radikal, als er in Beirut eine Gemeinde aramäischsprachiger Christen entdeckte, die aus dem Tur Abdin stammte und im libanesischen Exil ihre neusyrische Sprache weiter pflegte. Ritter wendete sich von der Islamwissenschaft ab und analysierte die Grammatik des neu gefundenen Idioms. Im Halbschatten erzählt Ritters Leben und Werk im Sinne einer intellectual biography.


Heiden im Himmel?

Geschichte einer Aporie zwischen Mittelalter und Früher Neuzeit.
Mit kritischer Edition der ‚Quaestio de salvatione Aristotelis‘ des Lambertus de Monte (um 1500) von Philipp Roelli

Peter von Moos

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Universitätsverlag Winter, Heidelberg, 2014, 261 S., ISBN 978-3-8253-6321-5

 

Die hier vorgelegte, wenig bekannte Schrift des späten 15. Jahrhunderts, ein Plädoyer für die ewige Seligkeit des Aristoteles, verteidigt dessen umstrittenste Lehren gegen den Vorwurf der Gottlosigkeit, vornehmlich indem sie dieses Thema in das generelle Problem des jenseitigen Loses aller gerechten Heiden integriert. Zahlreiche theologische Argumente für die Heilsmöglichkeit Ungläubiger werden systematisch nach Art einer Summa vorgestellt. Das Hauptkriterium ist dabei heilsgeschichtlich: Die Zeitenwende der Inkarnation scheidet die Heiden in zwei völlig gegensätzliche Kategorien. Während die vor diesem Ereignis lebenden Nichtchristen (in der Sache, wenn auch nicht dem Namen nach) geradezu zu christlichen Heiligen werden können, sind nach Christus alle Ungläubigen – mit Ausnahme seltener Wilder, die schuldlos in „unüberwindlicher Unkenntnis“ des Evangeliums leben – ‚eo ipso‘ zur ewigen Verdammnis bestimmt.
Der Hauptgrund dafür ist das Wunder der schnellen Ausbreitung des Christentums, das in nur 30 Jahren nach der Passion Christi die Grenzen des Erdkreises erreicht haben soll. Seither gilt jede auch nur gerüchteweise Kenntnis Christi und des Christentums für alle Menschen als Verpflichtung zum Glauben, von der kein Unwissen mehr dispensiert. Merkwürdigerweise entfaltete sich dieses Theorem von der frühen, rasant schnellen Ausbreitung des Evangeliums bis ans Ende der Welt just zu einem Zeitpunkt, an dem es endgültig durch die Fakten, d.h. die neu entdeckten Völker Amerikas widerlegt wurde.


Die Geburt des fiktionalen Romans aus dem Geiste des Märchens

Fritz Peter Knapp

Schriften der Philosophisch-historischen Klasse der Heidelberger Akademie der Wissenschaften, Band 53

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Universitätsverlag Winter, Heidelberg, 2014, 47 S., ISBN 978-3-8253-6297-3

 

Entgegen einer in der Forschung verbreiteten Ansicht kennt die mittelalterliche Poetik sehr wohl die reine Fiktionalität des Erzählens, beschränkt sie aber auf Fabel und Allegorie (‚fabula‘), wo bildhaft auf die Wirklichkeit verwiesen wird, und empfiehlt sonst deren unmittelbare Repräsentation (‚historia‘). Das Ergebnis ist aus unserer Sicht Pseudo-Historie, welche ein mehr oder minder solides Gerüst historischer Fakten durch Fiktion nach dem Prinzip der Wahrscheinlichkeit ergänzt. Dahinter steht die mittelalterliche christliche Überzeugung von der Einzigkeit und Vollkommenheit der gottgeschaffenen Wirklichkeit, die der Mensch weder verdoppeln noch ersetzen, sondern nur nachahmen könne. Erst in der Neuzeit werden der Glaube daran erschüttert und der Mensch frei, sich eine eigene ‚Welt im Kopf‘ zu schaffen.
Das Ergebnis ist schließlich der moderne Fiktionskontrakt: Etwas wird erzählt, als ob es wahr sei, obwohl alle wissen, daß es nicht wahr ist, dieses Als-ob aber akzeptieren. Trotzdem hat – dies die hier vertretene These – Chrétien de Troyes im 12. Jh. in bewußter Umgehung der Poetik seiner Zeit aus dem Geist des subliterarischen areligiösen Märchens den rein fiktionalen Artusroman kreiert, der jedoch von den allermeisten Zeitgenossen und Nachfahren doch wieder nur für ‚historia‘ gehalten wurde, so daß die moderne Fiktionalität erst aus der parodistischen Verkehrung der Pseudo-Historie durch Ariost und Cervantes und endgültig in der Aufklärung durch Sterne und Diderot entstehen konnte.


Menschliche und göttliche Kontemplation

Eine Untersuchung zum ‚bios theoretikos‘ bei Aristoteles

Stephan Herzberg

Schriften der Philosophisch-historischen Klasse der Heidelberger Akademie der Wissenschaften, Band 51

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Universitätsverlag Winter, Heidelberg, 2013, 166 S., ISBN 978-3-8253-6164-8

 

Aristoteles‘ Ethik gipfelt bekanntlich in der Lehre, dass das vollkommene Glück in der betrachtenden oder kontemplativen Lebensform (‚bios theoretikos‘) besteht. In diesem kognitiven Vollzug zeigt sich der Mensch als mit der an Seligkeit herausragenden Tätigkeit Gottes am nächsten verwandt. Auch wenn der Begriff der Kontemplation (‚theoria‘) sowohl für Aristoteles‘ Glückskonzeption als auch für seine Gotteslehre eine zentrale Rolle spielt, so ist es alles andere als klar, was genau mit diesem Begriff gemeint ist: Worin genau besteht dieser kognitive Vollzug und was ist sein Gegenstand? Steht diese Tätigkeit überhaupt noch in einem Zusammenhang mit der Natur des Menschen? Vollziehen Gott und Mensch dieselbe Art von theoria nur in einem unterschiedlichen zeitlichen Ausmaß oder ist der Unterschied tiefgreifender? Die vorliegende Abhandlung unterzieht diesen für Aristoteles‘ Ethik und philosophische Theologie zentralen Begriff einer grundlegenden Analyse.


Die Monarchie im Jahrhundert Europas

Selbstbehauptung durch Wandel im 19. Jahrhundert

Dieter Langewiesche

Schriften der Philosophisch-historischen Klasse der Heidelberger Akademie der Wissenschaften, Band 50

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Universitätsverlag Winter, Heidelberg, 2013, 52 S., ISBN 978-3-8253-6160-0

 

Selbstbehauptung durch Wandel – unter diesem Blickwinkel wird die Monarchie im 19. Jahrhundert untersucht. Sie ging gestärkt aus der antimonarchischen Französischen Revolution hervor, und auch in den kriegerischen Prozessen der Staatsvernichtung und Staatsschöpfung behauptete sich die Monarchie als Staatsform. Das gelang ihr, weil sie eine Symbiose mit der Nation als Leitidee des 19. Jahrhunderts einging: kein neuer Nationalstaat ohne monarchisches Haupt. Zwei bedeutsame Integrationsleistungen hat die Institution Monarchie im 19. Jahrhundert erbracht: Sie fügte die neuen Nationalstaaten in die internationale Politik ein, und sie half bei der politischen und gesellschaftlichen Integration innerhalb der Staaten und auch in den Kolonialreichen, die europäischen Staaten errichteten. Um den Blick auf die Monarchie in Europa zu schärfen wird zum Vergleich ihre Rolle im britischen Empire und in Japan betrachtet. Im Ausblick wird der Funktionswandel der Monarchie im 20. Jahrhundert skizziert.


Mathematisch-naturwissenschaftliche Klasse

 

Evolutionäre Ethik

Hans Mohr

Schriften der Mathematisch-naturwissenschaftlichen Klasse, Band 25

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Springer Spektrum, Wiesbaden, 2014, 52 S., ISBN 978-3-658-04319-3

 

Evolutionäre Ethik zielt darauf ab, moralisches Verhalten beim Menschen vor dem Hintergrund seiner evolutionären Disposition zu verstehen und zu beurteilen. Dieser Ansatz impliziert, dass zumindest Teilbereiche der Moralen einer (natur-)wissenschaftlichen Erklärung zugänglich sind. Außerdem wird vorausgesetzt, dass das moralische Verhalten des Menschen durch die Wechselwirkung von Genen und kulturellen Kräften (Memen) bestimmt wird. Schwerpunkte der Analyse von Hans Mohr bilden das Konzept der ‚gemischten Verhaltensstrategien‘, exemplifiziert am Beispiel der sozialen Marktwirtschaft, sowie der kulturhistorisch besonders bedeutsame Übergang von den Moralen zum positiven Recht. Ein weiterer Schwerpunkt betrifft die Frage nach dem evolutionsbiologischen Zusammenhang von Moral, Bewusstsein, Willensfreiheit und Verantwortung. In der abschließenden Skizze mit der Überschrift ‚Evolutionäre und normative Ethik‘ geht es um die Vision einer rational gelenkten moralischen Evolution mit dem Ziel einer besseren Welt.


Emergenzen auf der Stufe des Lebendigen

Hans Mohr

Schriften der Mathematisch-naturwissenschaftlichen Klasse, Band 24

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Springer Spektrum, Wiesbaden, 2014, 25 S., ISBN 978-3-658-03957-8

 

Das Thema ‚Emergenzen in komplexen Systemen‘ wird derzeit viel diskutiert. Mit Emer­gen­zen sind solche Strukturen und Eigenschaften eines Systems gemeint, die sich aus der Kenntnis der Teile des Systems und ihrer Wechselwirkungen nicht verstehen lassen. ‚Leben‘ zum Beispiel ist auch für den Molekularbiologen eine emergente Eigenschaft der Zelle, nicht aber ihrer Moleküle. ‚Bewusstsein‘ gilt nach wie vor als eine emergente Eigenschaft unseres Zentralnervensystems, nicht aber der einzelnen Neuronen. Emergenzen werden in Philosophie, Physik und Biologie unterschiedlich behandelt. Hans Mohr geht es vorrangig um eine zeitgerechte Würdigung der Bedeutung von Emergenzen bei der Erforschung komplexer Systeme in Biologie, Soziobiologie und Ökonomik.


Ernst Zermelo - Collected Works/Gesammelte Werke II

Volume II/Band II - Calculus of Variations, Applied Mathematics, and Physics/Variationsrechnung, Angewandte Mathematik und Physik

Hrsg. von Heinz-Dieter Ebbinghaus, Akihiro Kanamori; übersetzt von E. De Pellegrin, D.P. Kramer

Schriften der Mathematisch-naturwissenschaftlichen Klasse, Band 23

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Springer Verlag, Heidelberg, ​2013, 781 S., ISBN 978-3-540-70855-1


Akademiekonferenzen

 

Schriftenreihe des Deutschen Rechtswörterbuch

Historische Rechtssprache des Deutschen, Band 15

Andreas Deutsch

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Universitätsverlag Winter, Heidelberg, 2013, 496 S., ISBN 978-3-8253-6136-5

 

Manche halten die Rechtssprache für eine der ältesten Fachsprachen überhaupt, andere bestreiten, dass es eine Fachsprache des Rechts gibt. Dieser Band möchte die Geschichte der Rechtssprache des Deutschen in ihren vielen Facetten von den Anfängen bis in neuere Zeit beleuchten und hierbei einige Besonderheiten der Rechtssprache herausarbeiten, etwa die Möglichkeit der Sprachregulierung durch den Gesetzgeber. Neben einen historischen Abriss zur Entwicklung der deutschen Rechtssprache und grundlegende, handbuchartige Beiträge zum Charakter der Rechtssprache treten vertiefende Studien, etwa zum Bedeutungswandel von Rechtswörtern, zum Verhältnis von Bild und Sprache, zur Metapher im Recht, zu Reformversuchen der Rechts- und Verwaltungssprache, zum Problem der Allgemeinverständlichkeit von Gesetzen, zum Einfluss anderer Fachsprachen auf die Rechtssprache und zum Rechtswortschatz in der Literatur.


Forschungsstellen

 

Altgaskognisches Wörterbuch, Dictionnaire onomasiologique de l'ancien gascon (DAG)

Fascicule 16

Hrsg. von Nicoline Winkler, Tiana Shabafrouz

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De Gruyter Verlag, Berlin, 2013, 80 S., ISBN 978-3-11-030833-4

 

Der DAG ist ein Wörterbuch der altgaskognischen Urkundensprache. Er umfasst den Wortschatz der mittelalterlichen Sprachstufe des Gaskognischen und seinen Varietäten (Bearnesisch, Landinisch, alte Mundart der Gascogne toulousaine).
Ausgewertet wird die gaskognische Skripta vom Beginn ihrer schriftlichen Überlieferung im 11. Jh. bis zum Jahr 1300. Die Beschränkung auf die frühen volkssprachlichen Quellen schafft ein einheitliches Korpus von nicht-literarischen Texten, da erste schöngeistige Texte erst zu Beginn des 14. Jhs. auftreten. Die Auswertung der Urkundensprache gewährt manchen Einblick in die lebendige Sprachentwicklung der Volkssprache, die durch die formelhafte juristische Ausdrucksweise schimmert. Die Gegenstände der Prozesse und Verordnungen waren Menschen und ihre täglichen Probleme, so findet man die allgemeine Umgangssprache eher in Urkunden als in der Sprache der Literatur. Ein Wörterbuch der Urkundensprache ist daher nicht nur für Linguisten von Bedeutung, sondern auch für Historiker und Volkskundler.

Die Quellentexte sind juristischer und administrativer Art: Gesetze, notarielle Schreiben, Verordnungen, Verwaltungsdokumente, gerichtliche Akten, Steuerlisten, Testamente, Akten zum Lehnswesen u.a.

 


Deutsches Rechtswörterbuch

Wörterbuch der älteren deutschen Rechtssprache, Band XII Heft 9/10, "Schuld-Schwedisch"

Andreas Deutsch

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Verlag Hermann Böhlaus Nachfolger, Weimar, 2013, ISBN 978-3-7400-1269-4

 

Das Deutsche Rechtswörterbuch ist – als ein Wörterbuch der älteren Sprache – ein historisches Wörterbuch. Es behandelt die Sprache des Rechts vom Beginn der schriftlichen Überlieferung in lateinischen Urkunden der Völkerwanderungszeit bis etwa 1800. Für die heutige Rechtssprache müssen Sie in einem modernen Rechtswörterbuch nachschlagen. Es gibt solche beispielsweise von Creifelds und Köbler.
Weiter ist es ein Wörterbuch der deutschen Rechtssprache. "Deutsch" bezeichnet nach der Theorie des 19. Jahrhunderts, in dem das DRW konzipiert wurde, als Oberbegriff die gesamte westgermanische Sprachfamilie, wie Jacob Grimm es in seiner Einleitung zum Deutschen Wörterbuch festgelegt hat, "so dasz gleichwohl die friesische, niederländische, altsächsische und angelsächsische noch der deutschen sprache in engerm sinn zufallen" [Band I, Leipzig 1854, p. XIV].
Und schließlich ist das Deutsche Rechtswörterbuch ein Wörterbuch der Rechtssprache. Der Begriff Rechtssprache bezeichnet keine Fachsprache im engeren Sinne, sondern den Allgemeinwortschatz in seinen rechtlichen Bezügen. Dargestellt wird, wie sich Rechtsvorstellungen und Rechtsinstitute in der Alltagssprache manifestiert haben. Das DRW enthält somit nicht bloß juristische Fachbegriffe, sondern auch alle Wörter der Allgemeinsprache, sofern sie in rechtlichen Kontexten auftreten. So wird auch ein Adjektiv wie "nackt" behandelt – in seiner rechtsrelevanten Bedeutung "im Zustand der Nacktheit als Indiz für Ehebruch". Sie finden bei uns also Wörter wie "machen", "Kuß", "Kessel" und "Linde" ebenso wie "Litiskontestation", "Pfandkonstitution" und "Pfarracker".


Europa Humanistica

Die deutschen Humanisten. Dokumente zur Überlieferung der antiken und mittelalterlichen Literatur in der Frühen Neuzeit
Abteilung I: Die Kurpfalz; Bd. IV: Hieronymus Commelinus und seine Erben, Balthasar Copius, Lambertus Ludolfus Pithopoeus, Henricus Smetius, Simon Stenius und Friedrich Sylburg

in Verbindung mit Susann El Kholi, Michael Hanstein und Björn Spiekermann; hrsg. und bearb. von Wilhelm Kühlmann, Ralf Georg Czapla, Reinhard Gruhl und Volker Hartmann

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Verlag Brepols,Turnhout/Belgien, 2013, 722 S., ISBN 978-2-503-54648-3

 

Mit dem vorliegenden vierten Band zum Humanismus in der Kurpfalz wird erstmals der Beitrag des Verlagswesens zur Antikerezeption in der Frühen Neuzeit, insbesondere zur Gräzistik, seiner Bedeutung angemessen dargestellt. Hieronymus Commelinus (ca. 1550-1597) regte nicht nur unermüdlich Publikationen an, die er in seiner Offizin druckte, sondern war auch selbst ein produktiver Editor. Er gab u.a. die 1595 Akten des Konzils von Ephesos (431) heraus und kompilierte aus verschiedenen Historikern eine 1587 gedruckte Gesamtdarstellung der englischen Geschichte von der ausgehenden Spätantike bis zum Hundertjährigen Krieg (1337-1453). Sein Lektor Friedrich Sylburg (1536-1596) machte sich um zahlreiche vor allem griechische Autoren verdient. Noch für den bedeutenden reformierten Verleger Andreas Wechel in Frankfurt am Main tätig, veröffentlichte er 1584 bis 1587 eine elfbändige Werkausgabe des Aristoteles und diverser Philosophen der peripatetischen Schule sowie 1588 bis 1589 eine aus zahlreichen lateinischen und griechischen Autoren zusammengestellte Historia Romana in drei Bänden. In die Heidelberger Zeit fallen Editionen patristischen Schrifttums, aber auch eine gemeinsam mit Commelinus erarbeitete Sammlung mittelalterlicher Quellen zum Islam (1595). Simon Stenius (1539-1619) bemühte sich besonders um die Vermittlung des Kirchenvaters Basileios. Vor allem als Erläuterer des Horaz trat Lambertus Ludolfus Pithopoeus (1535-1596) hervor. Der Prediger Balthasar Copius (ca. 1530-1600) wirkte u.a. als Vermittler des Heidelberger Katechismus in die Niederlande während der Zeit vor dessen Annahme als reformierte Bekenntnisschrift durch die Synode von Dordrecht (1618-1619). Mit dem jahrhundertelang in ganz Europa verbreiteten metrischen Lexikon Prosodia (1599) des Henricus Smetius (1537-1614) wird außerdem das erfolgreichste Werk in der Geschichte des kurpfälzischen Humanismus vorgestellt.


Evangelische Kirchenordnungen des 16. Jahrhunderts

Zwanzigster Band: Elsass. 2. Teilband: Die Territorien und Reichsstädte (außer Straßburg)

Begr. v. Emil Sehling. fortgef. v. d. Heidelberger Akademie d. Wiss., hrsg. v. Eike Wolgast. Bearb. v. Gerald Dörner


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Verlag Mohr Siebeck,Tübingen, 2013, 562 S., ISBN 978-3-16-152952-8

 

Mit der Einführung der Reformation in einem Territorium oder einer Reichsstadt waren die Landesherren und Magistrate gezwungen, ihren Gemeinwesen für zahlreiche Bereiche des kirchlichen Lebens neue Ordnungen zu geben, auch weil sie die päpstliche Obedienz und die bischöfliche Jurisdiktion nicht mehr anerkannten. Die erlassenen Ordnungen wirkten dabei oft weit über den Rahmen des kirchlichen Lebens hinaus auf das politische und rechtliche Geschehen in den Territorien. Zu den kirchenordnenden Texten zählen Agenden, Liturgien, Gebetsformulare, Vorschriften zur Anstellung von Pfarrern und Diakonen sowie Richtlinien zu ihrer Tätigkeit, Instruktionen für Visitationen, aber auch Armen-, Ehe- und Zuchtordnungen.
Der vorliegende zweite Teilband zum Elsass enthält die Kirchenordnungen der Grafschaft Hanau-Lichtenberg, der Herrschaften Fleckenstein und Rappoltstein sowie der Reichsstädte Colmar, Hagenau, Mülhausen, Münster im Münstertal und Weißenburg bis zum Jahr 1618. Entsprechend der Prägung durch die reformatorischen Zentren Basel, Straßburg und Württemberg zeigen sich bei ihnen sehr unterschiedliche Modelle der kirchlichen Organisation und der Ausgestaltung gemeindlichen Lebens.


Kommentierung der Fragmente der griechischen Komödie

Fragmenta Comica

Band 4, Andreas Bagordo: Telekleides. Einleitung, Übersetzung, Kommentar

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Verlag Antike e.K., Mainz, 2013, 342 S., ISBN 978-3-938032-62-6

 

Band 9.1, Christian Orth: Alkaios - Apollophanes. Einleitung, Übersetzung, Kommentar

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Verlag Antike e.K., Mainz, 2013, 450 S., ISBN 978-3-938032-63-3

 

Band 15, Matteo Pellegrino: Nicofonte. Introduzione,Traduzione e Commento

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Verlag Antike e.K., Mainz, 2013​, 99 S., ISBN 978-3-938032-57-2

 

Die Reihe Fragmenta Comica wird die vollständige Kommentierung der Fragmente der griechischen Komödie bieten.
Ziel der Kommentare ist es, einerseits die in der Regel schwierig zu verstehenden Texte unter allen möglichen Gesichtspunkten zu erschließen, andererseits, wo dies möglich ist, eine Rekonstruktion der Stücke zu versuchen und eine literaturgeschichtliche Einordnung der Autoren vorzunehmen. Die Fragmente und Testimonien werden übersetzt.
Die in den Kommentaren erzielten Ergebnisse sollen in allgemeine Studien einfließen, die in den Studia Comica veröffentlicht werden: zur Komik und komischen Techniken wie Parodie, Satire sowie zur politischen Funktion.
Prof. Dr. Bernhard Zimmermann leitet die Forschungsstelle „Kommentierung der Fragmente der griechischen Komödie“ an der Heidelberger Akademie der Wissenschaften.
Die Arbeitsstelle des Projekts ist am Seminar für Klassische Philologie der Universität Freiburg angesiedelt. Ein Weblog berichtet aktuell über den Fortgang des Projekts, das auf 15 Jahre ausgelegt ist.
Das Projekt ist international vernetzt und arbeitet mit Zentren zur Erforschung der fragmentarisch erhaltenen griechischen Literatur in Italien, Großbritannien und den USA zusammen.


Martin Bucers Deutsche Schriften

Nachträge 1531–1541, Band 16

bearb. von Stephen E. Buckwalter und Thomas Wilhelmi

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Gütersloher Verlagshaus, Gütersloh, 2013, 528 S., ISBN 978-3-579-04881-9

 

Der Band umfasst eine Fülle an bisher unedierten Schriften des Straßburger Reformators zu unterschiedlichen Themen: die rechtliche Verteidigung reformatorischer Maßnahmen in evangelischen Reichsstädten, die Beilegung des Abendmahlsstreits zwischen Lutheranern und Reformierten, die Errichtung eines evangelischen Kirchenwesens in Augsburg, Ratschläge an die Protestanten in der Schweiz, der Einsatz zugunsten verfolgter Evangelischer in Frankreich, die Restitution der Frankfurter Bartholomäuskirche, die Auseinandersetzung mit altgläubigen Gremien in Straßburg, die Täuferpolitik Philipps von Hessen und seine Bigamie, Schlichtung des Streits zwischen Hartmuth von Kronberg und Philipp von Hessen sowie anderen.


Melanchthons Briefwechsel

Band T 14: Texte 3780-4109 (1545)

Hrsg. von Christine Mundhenk, bearb. von Matthias Dall'Asta, Heidi Hein und Christine Mundhenk.

Verlag Frommann-Holzboog, Stuttgart-Bad Cannstatt 2013. 624 S., ISBN 978-3-7728-2575-0

 

Das beherrschende Thema des Jahres 1545 ist die Religionspolitik. Bereits im Januar weiß Melanchthon, dass Papst Paul III. für den April das schon seit Jahren angekündigte Konzil nach Trient berufen hat; doch der Beginn verzögert sich bis zum Dezember. Für den Reichstag in Worms verfasst Melanchthon mehrere Gutachten. Neben seinen universitären Pflichten wirkt er an etlichen Stellenbesetzungen und Ordinationen mit und setzt sich in etwa 50 Empfehlungen und Fürsprachen für den wissenschaftlichen Nachwuchs ein.

 

Zum Forschungsprojekt


Nietzsche-Kommentar

Andreas Urs Sommer: "Der Antichrist", "Ecce homo", "Dionysos-Dithyramben" und "Nietzsche contra Wagner"

Historischer und kritischer Kommentar zu Friedrich Nietzsches Werken, Band 6/2

Nietzschekom Antichrist

Walter de Gruyter, Berlin/Boston, 2013, 921 S., ISBN 978-3-11-029289-3

  

Seit 2008 entsteht an der Akademie-Forschungsstelle in Freiburg der erste umfassende historische und kritische Kommentar zum Werk Friedrich Nietzsches. Obwohl er zu den wirkungsmächtigsten Denkern der Moderne gehört, fehlte bisher ein übergreifender Kommentar zu seinem Gesamtwerk, der die philosophischen, historischen und literarischen Voraussetzungen und Kontexte erschließt. Der Nietzsche-Kommentar führt Ergebnisse der bisherigen Forschung zusammen und erweitert den Kenntnisstand zugleich erheblich. Einleitende Überblickskommentare stellen Nietzsches Schriften in den konzeptionellen Zusammenhang, erläutern ihre Struktur und bieten Informationen zur Entstehungs- und Wirkungsgeschichte. Umfangreiche Stellenkommentare gehen auf einzelne Textpartien und ihre Quellen ein. So entsteht ein neuer Zugang zu Nietzsches Werken. Für die künftige Nietzsche-Forschung bildet dieser Kommentar eine unentbehrliche Grundlage.
Die spätesten Nachlassschriften von 1888 zeugen von immenser sprachlicher und gedanklicher Radikalisierung. Der Antichrist soll die gesamte „Umwerthung aller Werthe“ sein; in Ecce homo betreibt Nietzsche eine Genealogie seines eigenen Denkens und eröffnet neue Dimensionen der Selbstreflexion. Nietzsche contra Wagner resümiert Nietzsches schon weit zurückreichende Wagner-Kritik, während die Dionysos-Dithyramben die Lyrik zu erneuern streben.

 

Rezensionen:

Rezension in: Theologische Revue Universität Münster 2-2014

Rezension zu den Bänden 6/1 und 6/2 auf www.f-nietzsche.de von März 2014

IFB: digitales Rezensionsorgan für Bibliothek und Wissenschaft 2013

Zeitschrift für Religionswissenschaften 2013

Literaturkritik.de


Papyrus-Editionen

Veröffentlichungen aus der Heidelberger Papyrus-Sammlung, Neue Folge
Band 14: Die badischen Grabungen in Qarâra und el-Hibeh 1913 und 1914

Wissenschaftsgeschichtliche und papyrologische Beiträge, hrsg. von Wolfgang Habermann unter Mitwirkung von Elke Fuchs

papyrus

Universitätsverlag Winter, Heidelberg, 2014, 449 S., ISBN 978-3-8253-6288-1

 

Der wissenschaftsgeschichtlich ausgerichtete Band beschäftigt sich mit den von der Heidelberger Akademie der Wissenschaften und der Freiburger Wissenschaftlichen Gesellschaft in den Jahren 1913 und 1914 im mittelägyptischen Qarâra und el-Hibeh organisierten und finanzierten ‚Badischen Grabungen‘. Grabungstagebücher, Fotos, Fundjournal sowie ausführlicher Schriftverkehr, Akten und Berichte erlauben einen seltenen und spannenden Einblick in Vorbereitung und Durchführung der Grabungen, beteiligte Institutionen und Personen sowie Verteilung und Verwahrung der Fundgegenstände.
Die wissenschaftliche Aufarbeitung des Fundguts ist durch ein umfangreiches Schrifttum in einer Auswahlbibliographie dokumentiert. Insbesondere die in der Heidelberger Papyrussammlung aufbewahrten griechischen, demotischen und koptischen Papyri aus der Region, die vom 6.Jh. v.Chr. bis in das 7./8.Jh. n.Chr. reichen, haben besonderes Interesse hervorgerufen; ihre Bearbeitung wird in einem Editionsteil fortgesetzt.

 

 

verantwortlich: Redaktion
Letzte Änderung: 09.07.2014