Der Ungarnaufstand – Öffentlicher Vortrag von Paul Lendvai

Pressemitteilung vom 9. Oktober 2006

„Erinnerungen an 1956“ ein Zeitzeuge berichtet – Die spontane Revolution endete in einer Katastrophe

 

Vor 50 Jahren begann in Ungarn der Aufstand gegen die Sowjetunion. Doch das Ende des Stalinismus bedeutete kein Verständnis für die Autonomiebestrebungen der östlichen Satellitenstaaten. Mit rund 60.000 Soldaten rückte die Rote Armee ein, beide Seiten, die Aufständischen und die Sowjettruppen, hatten am Ende Tote und Verletzte zu beklagen.

Prof. Paul Lendvai ist Zeitzeuge des Ungarnaufstands. Der Journalist schrieb damals für mehrere Zeitungen, u.a. berichtete er für die „Financal Times“ über die Revolution in seiner Heimat.
(Quelle: Kulturinstitut der Republik Ungarn, Stuttgart).

Am 12. Oktober um 18 Uhr findet an der Universität Heidelberg, Heuscheuer, Hörsaal 1, der Vortrag „Erinnerungen an 1956“ von Prof. Paul Lendvai statt. Paul Lendvai war von 1960 bis 1982 Korrespondent der „Financal Times“, später Intendant von Radio Österreich International und ist heute Chefredakteur der Vierteljahreszeitschrift „Europäische Rundschau“ sowie Leiter des Europastudios von ORF-TV. Die Veranstaltung findet auf Initiative des Kulturinstituts der Republik Ungarn und unter Mithilfe der Heidelberger Akademie der Wissenschaften statt.

Obwohl der Volksaufstand in Ungarn einen Wendepunkt in der Geschichte des 20. Jahrhunderts markiert, sind die damaligen dramatischen Ereignisse im europäischen Bewusstsein heute kaum noch präsent. Am 23. Oktober 1956, also vor fast genau 50 Jahren, begann die sogenannte „unerwartete Revolution“ mit einem Demonstrationszug der Studenten. Sie wollten Sympathie für die in Polen streikenden Sozialisten bekunden, welche einen eigenen, von der Sowjetunion politisch unabhängigeren Weg propagierten.

Bereits in der darauffolgenden Nacht wurde in den Universitätsbüros mit der Vervielfältigung von Flugblättern begonnen, in denen die Studenten den Abzug der sowjetischen Truppen forderten. Weiter verlangten sie die Einberufung des Parteikongresses und die Wahl einer neuen KP-Führung. Auch wenn der Aufstand ohne koordinierte Führung begann, so fanden sich doch am Abend des 23. Oktober riesige Menschenmassen vor dem Budapester Parlamentsgebäude am Donauufer ein. Imre Nagy, der dem Volk als gemäßigter Kommunist galt, konnte die Menge nicht beruhigen. Es kam zu Kämpfen um das Rundfunkgebäude, eine erste Stalinstatue wurde niedergerissen.

In den darauffolgenden Wochen schlug die Sowjetunion diesen „konterrevolutionären“ Angriff mit aller militärischen Härte nieder. Anfang November rückten rund 60.000 sowjetische Soldaten und Hunderte Panzer in Budapest ein. Am Ende zählten die ungarischen Aufständischen über zweieinhalbtausend Tote und 20.000 Verwundete, aber auch 669 russische Soldaten verloren ihr Leben. „Der Aufstand in Ungarn 1956 war neben dem 17. Juni 1953 in der DDR und dem Prager Frühling 1968 einer der großen Krisenmomente des Ostblocks. Auch wenn er erfolglos blieb, trug er in besonderer Weise dazu bei, die sowjetische Imperialpolitik nachhaltig moralisch zu delegitimieren. Die 50. Wiederkehr des Aufstandes ist eine hervorragende Gelegenheit, an dieses bedeutende Ereignis der Zeitgeschichte zu erinnern und in einem öffentlichen Vortrag einen kompetenten Zeitzeugen zu Wort kommen zu lassen“, so Prof. Dr. Eike Wolgast von der Heidelberger Akademie der Wissenschaften.

 

Datum:Donnerstag, 12. Oktober 2006
Uhrzeit:18.00 Uhr
Ort:Universität Heidelberg, Heuscheuer, Hörsaal 1
(Mantelgasse, 69117 Heidelberg, www.haw.baden-wuerttemberg.de)

 

Der Eintritt ist kostenlos



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Dr. Johannes Schnurr
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der Heidelberger Akademie der Wissenschaften
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Letzte Änderung: 23.06.2009