Die frühen Wege der Menschheit: Neues Großforschungsprojekt rekonstruiert Wanderungsbewegungen der Hominiden

Pressemitteilung vom 16. April 2008

Eine neue Forschungsstelle der Heidelberger Akademie der Wissenschaften untersucht die Rolle der Kultur bei der weltweiten Ausbreitung des Menschen – Interdisziplinäres Kooperationsprojekt mit dem Forschungsinstitut Senckenberg und der Universität Tübingen

 

Das nur 3,7 cm große Mammut aus Elfenbein wurde 2006 bei Nachgrabungen an der Vogelherdhöhle im Lonetal, Baden-Württemberg, entdeckt. Mit einem Alter von ca. 32.000 Jahren stellt es einen der ältesten Belege figürlicher Kunst weltweit dar.
(© Institut für Ur- und Frühgeschichte und Archäologie des Mittelalters, Universität Tübingen)

 
Mit ihren 21 Forschungsstellen und etwa 240 Mitarbeitern sowie ihrem Nachwuchsforschungsprogramm WIN leistet die Heidelberger Akademie der Wissenschaften einen wichtigen Beitrag zur Grundlagenforschung. Die von ihr publizierten Wörterbücher, Editionen und Werkausgaben sind für die Forschung in vielen Disziplinen unentbehrlich.
(Foto: Akademie/Oestergaard)

Am 21. und 22. April 2008 stellt sich die neue Forschungsstelle „The role of culture in early expansions of humans“ der Heidelberger Akademie der Wissenschaften mit einem Auftaktworkshop vor. Das auf 20 Jahre angelegte Forschungsprojekt sucht die raumzeitlichen Wanderungsmuster des Menschen im Zeitraum von drei Millionen bis 20.000 Jahren vor heute zu rekonstruieren und die ursächlichen Bedingungen dieser Ausbreitungen zu beleuchten.

Von Afrika ausgehend breitete sich in den letzten zwei Millionen Jahren die Gattung Mensch in verschiedenen Wanderungswellen nach Asien und Europa aus. Während der Lebensraum der Australopithecinen und frühen Menschenformen wie bei anderen Lebewesen durch natürliche Bedingungen beschränkt war, passten sich Menschen zunehmend durch Kultur an neue Umwelten an. Welchen Einfluss Klima- und Umweltveränderungen bzw. Innovationen wie Steingeräte und Feuernutzung auf die Ausbreitung verschiedener Menschengruppen hatten, sollen sechs Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler am Forschungsinstitut Senckenberg und der Universität Tübingen erforschen.

Das Forschungsprojekt versteht sich ausdrücklich als internationales und interdisziplinäres Vorhaben. Besonderes Augenmerk wird auf die kulturelle Dimension der menschlichen Entwicklung gelegt, archäologische Ausgrabungen in Südafrika, Südwestasien und Deutschland sowie künftig in Asien liefern hierzu wichtige Informationen. In einer Datenbank sollen Informationen zu Klima, Vegetation und Tierwelt für die Modellierung früherer Lebensräume zusammengefasst und mit Daten aus der Archäologie und der menschlichen Fossilgeschichte verknüpft werden. Die Ergebnisse sollen Eingang finden in einen digitalen Atlas der Mensch-Umwelt-Entwicklung auf der Basis Geographischer Informationssysteme (GIS). Der Workshop dient dazu, das Projekt mit nationalen und internationalen Kooperationspartner zu diskutieren und es im Rahmen einer Pressekonferenz einer breiteren Öffentlichkeit vorzustellen.

Das Projekt wurde von vier namhaften Wissenschaftlern beantragt: Prof. Dr. Dr. h.c. Volker Mosbrugger wurde als Paläontologe 1999 mit dem Leibniz-Preis ausgezeichnet und leitet das Forschungsinstitut und das Naturmuseum Senckenberg. Der Urgeschichtler Prof. Nicholas J. Conard PhD der Eberhard Karls Universität Tübingen forscht in Südafrika, in Syrien, im Iran und in Deutschland nach frühen Spuren der kulturellen Menschwerdung. Der Forschungsschwerpunkt von Prof. Dr. Friedemann Schrenk, Leiter der Abteilung für Paläoanthropologie und Quartärpaläontologie am Forschungsinstitut und Naturmuseum Senckenberg und Träger des Communicator-Preises 2006, liegt auf der Paläoanthropologie Ostafrikas. Der Physische Geograph Prof. Dr. Volker Hochschild ist Spezialist für Geographische Informationssysteme (GIS) an der Eberhard Karls Universität Tübingen.

Die Forschungsstelle „The role of culture in early expansions of humans“ der Heidelberger Akademie der Wissenschaften ist ein interdisziplinäres Forschungsprojekt an der Schnittstelle zwischen Kultur- und Naturwissenschaften. Die international weit verzweigten wissenschaftlichen Arbeiten werden zentral von den beiden Forschungsstellen am Forschungsinstitut Senckenberg und an der Universität Tübingen koordiniert.

Die Heidelberger Akademie der Wissenschaften, wiedergegründet im Jahre 1909, ist die Landesakademie Baden-Württembergs und eine der acht deutschen Akademien der Wissenschaften. Als außeruniversitäre Forschungseinrichtung verantwortet sie derzeit 21 Forschungsvorhaben, in denen etwa 240 Mitarbeiter beschäftigt sind. Die rund 180 gewählten Mitglieder der Heidelberger Akademie treffen sich als herausragende Vertreter ihrer Disziplin regelmäßig zum fächerübergreifenden Gespräch, die Akademie veranstaltet wissenschaftliche Tagungen sowie öffentliche Vortragsreihen. Mit der 2002 erfolgten Einrichtung eines Nachwuchskollegs (WIN-Kolleg), der Ausrichtung der „Akademiekonferenzen für junge Wissenschaftler“ sowie durch die Vergabe von Forschungspreisen fördert sie herausragende jüngere Exponenten der Wissenschaft.

Bitte beachten Sie: Die Auftaktkonferenz ist keine öffentliche Veranstaltung. Die Vertreter der Medien sind gleichwohl herzlich nach Heidelberg eingeladen, für eine Akkreditierung bei der Akademie der Wissenschaften wären wir dankbar.
Die Pressekonferenz zum Auftaktworkshop findet am 21. April um 14 Uhr in den Räumen der Akademie der Wissenschaften in Heidelberg statt (1. OG, Bel Etage).

Bitte beachten Sie:Teilnehmer: Prof. Nicholas J. Conard PhD, Prof. Dr. Volker Hochschild Prof. Dr. Dr. h.c. Volker Mosbrugger, Prof. Dr. Friedemann Schrenk, Prof. Dr. Bernd Engler (Rektor der Univeristät Tübingen), Prof. Dr. Dr.-Ing. E.h. Hermann Hahn (amtierender Präsident der Heidelberger Akademie der Wissenschaften)

 

Datum:: 21./22. April 2008
Beginn:: 21. April, 10 Uhr
Pressekonferenz:: 21. April (in der Bel Etage, 1. OG), 14 Uhr
Ort:Akademie der Wissenschaften, Karlstraße 4, 69117 Heidelberg

Weitere Informationen finden Sie im Internet unter www.haw.baden-wuerttemberg.de/downloads/Tagungsprogramm_Vorabzug-VI.pdf



Rückfragen bitte an

Dr. Johannes Schnurr
Referent für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
der Heidelberger Akademie der Wissenschaften
Telefon: 06221 / 54 34 00
Fax: 06221 / 54 33 55
E-Mail: johannes.schnurr@urz.uni-heidelberg.de
Internet: www.haw.baden-wuerttemberg.de

sowie

PD Dr. Miriam Haidle
Projektkoordinatorin
Abteilungsleiter Gesellschaft
Telefon: 0176 / 228 208 26
E-Mail: miriam.haidle@uni-tuebingen.de

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Letzte Änderung: 23.06.2009