Bewegung von Prothesen durch Gedankenkraft

Pressemitteilung vom 04. Dezember 2006

Nachwuchsforscher der Heidelberger Akademie der Wissenschaften erhalten Fördersumme von 2 Millionen Euro für die Entwicklung von Neuroprothesen

 

Die Heidelberger Akademie der Wissenschaften ist eine der herausragenden Forschungseinrichtungen Baden-Württembergs. Die interdisziplinäre Forschung ist eines ihrer Hauptanliegen, daneben fördert sie den wissenschaftlichen Nachwuchs.
(Foto: Akademie/Oestergaard)

Das interdisziplinäre Freiburger Team um Dr. Tonio Ball (Arzt und Neurowissenschaftler), Dr. Carsten Mehring (Physiker) und Jörn Rickert (Neurobiologe) zählt zu den Preisträgern des Wettbewerbs GO-Bio (Gründungs-Offensive Biotechnologie). Der vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) ausgeschriebene Wettbewerb gibt jungen Wissenschaftlern die Möglichkeit, innovative Forschungsthemen aus dem Gebiet der Biowissenschaften weiterzuentwickeln und wirtschaftlich zu verwerten. Insgesamt 20 Millionen Euro werden in den kommenden drei Jahren zur Förderung der wissenschaftlichen Arbeit und der unternehmerischen Kompetenz zur Verfügung gestellt.

Das Team um Ball, Mehring und Rickert wurde für seinen Ansatz ausgezeichnet, eine computerbasierte motorische Neuroprothese zu entwickeln, mit der die Handlungsfähigkeit von schwerstgelähmten Patienten verbessert werden soll. Beim gesunden Menschen werden willkürliche Bewegungen durch die motorische Großhirnrinde gesteuert, von dort werden neuronale Impulse über das Rückenmark an die Muskulatur gesendet. Wird dieser Weg jedoch unterbrochen, entstehen Lähmungen bis hin zur vollkommenen Unfähigkeit zu willkürlichen Bewegungen, obwohl das Gehirn nach wie vor in der Lage ist, die entsprechenden Steuersignale zu senden. Hier setzt das Konzept der Preisträger an: Mittels einer auf die Gehirnoberfläche implantierten Elektrode kann die noch vorhandene neuronale Aktivität gemessen werden. Über ein komplexes System aus Verstärker, Computer und Software können die empfangenen Signale für die Steuerung von Computern oder künstlichen Gliedmaßen genutzt werden. Langfristig planen die Wissenschaftler, die Neuroprothesen zur Anwendungsreife zu entwickeln.

Dr. Tonio Ball und Dr. Carsten Mehring sind Kollegiaten des WIN-Kollegs der Heidelberger Akademie der Wissenschaften. Gemeinsam mit Jörn Rickert arbeiten sie in der Forschungsgruppe „Brain-Computer-Interface“, die im Rahmen des Schwerpunkts „Gehirn und Geist: Physische und psychische Funktionen des Gehirns“ von der Akademie gefördert wird. Das Akademiekolleg für den Wissenschaftlichen Nachwuchs ist 2002 von der Heidelberger Akademie der Wissenschaften mit Unterstützung des Landes Baden-Württemberg eingerichtet worden. Es hat zum Ziel, den wissenschaftlichen Nachwuchs in Baden Württemberg in Projekten fächerübergreifender Forschung zu fördern, und ermöglicht jungen Wissenschaftlern, in hohem Maße eigenständig Projekte der Verbundforschung zu initiieren und durchzuführen. Insgesamt sechs Teams werden derzeit zu den zwei Forschungsschwerpunkten „Gehirn und Geist: Physische und psychische Funktionen des Gehirns“ und „Kulturelle Grundlagen der Europäischen Einigung“ gefördert. Ein dritter Forschungsschwerpunkt zum Thema „Der menschliche Lebenszyklus. Biologische, gesellschaftliche, kulturelle Aspekte.“ ist aktuell ausgeschrieben.



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Referentin für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
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E-Mail: uta.huettig@urz.uni-heidelberg.de
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Dr. Tonio Ball
Neurozentrum der Universitätskliniken, Freiburg
Telefon: 0761 / 27 09 316
E-Mail: tonio.ball@uniklinik-freiburg.de

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Letzte Änderung: 23.06.2009