Wider einen blinden Fleck in unserer Gesellschaft – „Mathematik – Bildungsgut und Schlüsseltechnologie“

Pressemitteilung vom 16. Oktober 2008

Öffentlicher Vortrag im Jahr der Mathematik – Einladung zum Vortrag sowie zur Diskussion zu Ursachen und Überwindung einer bildungspolitischen Misere.

 

Leonardo da Vinci war ein sorgfältiger Beobachter der Natur und ein großer Bewunderer von Mathematik. Er zeichnete um 1508-09 die Wirbel von Strömungen (siehe oben), deren komp-lexe Dynamik durch die Lösungen mathematischer Gleichungen zu beschreiben und mit Computern zu berechnen auch heute noch eine Herausforderung an die Forschung ist (Abb. unten). Das Bild oberhalb zeigt Strömungswirbel hinter einer Stufe, die auf den Rechnern des IWR in Heidelberg simuliert und mit modernen Graphikmethoden visualisiert wurden.
(Quelle: Jäger)

 

„Bildung ist Bestandteil unserer Existenz. Sie entscheidet elementar über unsere Persönlichkeit. Sie stellt die Grundlage sozialen Handelns dar, befördert unsere individuelle Kreativität, bewirkt Handlungs- und Kommunikationsfähigkeit. Für den Bereich der Schreib- und Lesefähigkeit ist dies heute erkannt und auch anerkannt. Doch was die mathematischen Fähigkeiten betrifft, Kompetenzen, deren Bedeutung ebenso hoch einzuschätzen sind, sehen wir uns immer noch einem Zustand einer weitverbreiteten Mathe-Blindheit gegenüber! Und dies ist leider immer noch ein gesamtgesellschaftliches Problem – das so lange nicht gelöst werden kann, wie es noch als schick gilt, von Mathematik nichts oder wenig zu verstehen“, so Prof. Willi Jäger.

Wo liegen die Ursachen dieser Misere und wie ist ihr beizukommen? Die Heidelberger Akademie der Wissenschaften lädt die interessierte Öffentlichkeit, insbesondere auch Schüler und ihre Lehrer, herzlich ein, gemeinsam mit deren Mitgliedern sowie den Referenten, Hans Georg Bock und Willi Jäger, Professoren für Mathematik und Direktoren des Interdisziplinären Zentrums für Wissenschaftliches Rechnen (IWR), über diese Frage zu diskutieren. Die Veranstaltung beginnt am Freitag, den 24. Oktober um 18 Uhr und findet im Heidelberger Schmitthennerhaus, Heiliggeiststraße 17, statt. Eine Voranmeldung ist nicht erforderlich, der Eintritt ist frei.

Bereits in der Antike zeichnete sich die Erkenntnis ab, dass mit der Mathematik eine universelle Sprache zur Beschreibung von Naturphänomenen gefunden sei. Auch im Humboldtschen Bildungsideal wird dieser Sichtweise ausdrücklich Rechnung getragen. „Doch es kommt uns im Dialog mit der Öffentlichkeit nicht darauf an, ein buntes und wohlgefälliges Kaleidoskop zu entwerfen, was Mathematik so alles leistet“, erläutert Jäger. „Wir wollen vielmehr die Bürger aktiv in die aktuelle Diskussion einbinden: Weshalb haben die deutschen Schüler in der Pisa-Studie so schlecht abgeschnitten? Was bedeutet die negative Grundhaltung gegenüber der Mathematik für die Zukunftsfähigkeit unseres Landes? Wie könnte jener Brückenschlag zwischen Gesellschaft und Mathematik gelingen, den Hans Magnus Enzensberger so eindrücklich gefordert hat? Wie müssen sinnvolle Lehrpläne aussehen und wie können wir Menschen für die Mathematik begeistern?“

Konkrete und anschauliche Beispiele über die Leistungsfähigkeit der Mathematik als Schlüsseltechnologie wird Hans Georg Bock vorstellen. Bock berichtet aus dem Forschungsalltag von Mathematikern, die Brücken zwischen Mathematik und den anderen Wissenschaften, der Indusrie und der Wirtschaft bauen. Keinesfalls entsprächen die Klischees welt- und lebensfremder Rechenkünstler der Realität, wie sie etwa der Film „A Beautiful Mind“ über den Nobelpreisträger John Nash verbreitet. „Im Gegenteil: Wir gehen mit Hilfe der Mathematik hoch spannenden Phänomenen nach, lassen versunkene Kulturen im Computer wieder auferstehen oder lösen gemeinsam mit Unternehmen aus Industrie und Wirtschaft Probleme, die von entscheidender Bedeutung für die Sicherheit zukünftiger Arbeitsplätze sind“, stellt Bock fest.

Der öffentliche Vortrag ist ein Beitrag der Heidelberger Akademie der Wissenschaften zum Jahr der Mathematik. Die Heidelberger Akademie der Wissenschaften, wiedergegründet im Jahre 1909, ist die Landesakademie Baden-Württembergs und eine der acht deutschen Akademien der Wissenschaften. Als ausseruniversitäre Forschungseinrichtung verantwortet sie derzeit 21 Forschungsvorhaben, in denen etwa 240 Mitarbeiter beschäftigt sind. Die rund 180 gewählten Mitglieder der Heidelberger Akademie treffen sich regelmäßig zum fächerübergreifenden Gespräch, die Akademie veranstaltet wissenschaftliche Tagungen sowie öffentliche Vortragsreihen. Mit der 2002 erfolgten Einrichtung eines Nachwuchskollegs (WIN-Kolleg), der Ausrichtung der „Akademiekonferenzen für junge Wissenschaftler“ sowie durch die Vergabe von Forschungspreisen fördert sie jüngere Exponenten der Wissenschaft und deren Aktivität insbesondere in fächerverbindender Forschung.

Datum:Freitag, 24. Oktober 2008
Ort:Schmitthennerhaus, Heiliggeiststraße 17, Heidelberg
Beginn:18 Uhr




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Dr. Johannes Schnurr
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der Heidelberger Akademie der Wissenschaften
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sowie

Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Willi Jäger
IWR, Heidelberger Akademie der Wissenschaften
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E-Mail: jaeger@iwr.uni-heidelberg.de

sowie

Prof. Dr. Dr. h.c. Hans Georg Bock
IWR
Telefon: 06221 / 54 82 37
E-Mail: bock@iwr.uni-heidelberg.de

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Letzte Änderung: 23.06.2009