Eine bewegte Epoche – Süddeutsche Reichsstädte zur Zeit der Reformation

Pressemitteilung vom 24. Mai 2007

Band 17,1 der „Evangelischen Kirchenordnungen“ erscheint – „Die Texte offenbaren einen wahren Schatz an moralischen und sittlichen Vorstellungen der Menschen in der frühen Neuzeit“

 

Johannes Brenz (1499 - 1570) war der führende Theologe Württembergs. Nach seinem Studium in Heidelberg wirkte er in der freien Reichsstadt Schwäbisch Hall. Die von ihm gestalteten Kirchenordnungen entfalteten weitreichende Wirkung auch im alltäglichen Leben des 16. Jahrhunderts.
(Quelle: Universitätsbibliothek Heidelberg)

 
Mit ihren 23 Forschungsstellen und etwa 200 Mitarbeitern sowie ihrem Nachwuchsforschungsprogramm WIN leistet die Heidelberger Akademie der Wissenschaften einen wichtigen Beitrag zur Grundlagenforschung. Die von ihr publizierten Wörterbücher, Editionen und Werkausgaben sind für die Forschung in vielen Disziplinen unentbehrlich.
(Foto: Akademie/Oestergaard)

Unmittelbar in Gefolge des Speyerer Reichstags von 1526 bekannte sich eine ganze Reihe von Reichsstädten zur Reformation. Unter diesen befanden sich auch Schwäbisch Hall, Heilbronn, Konstanz, Isny und Gengenbach. Mit dem Bekenntnis zum evangelischen Glauben veränderten sich nicht nur die kirchlichen Verhältnisse, sondern in weitem Umfang auch das tägliche Leben. Die Magistrate evangelischer Reichsstädte erkannten das päpstliche Recht, das etwa den gesamten Bereich des Ehewesens regelte, nicht länger an. Den auch in vielen anderen Bereichen entstandenen Rechtsunsicherheiten begegnete man mit Neuregelungen, die unter dem Begriff „Kirchenordnungen“ zusammengefasst werden können. „Diese Texte vermitteln uns einen lebendigen Einblick in das kirchliche und gesellschaftliche Leben“, so Dr. Sabine Arend von der Forschungsstelle „Evangelische Kirchenordnungen“ der Heidelberger Akademie der Wissenschaften. „Die Texte offenbaren einen wahren Schatz an moralischen und sittlichen Vorstellungen der Menschen in der frühen Neuzeit.“

Am Dienstag, dem 5. Juni 2007, präsentiert die Heidelberger Akademie der Wissenschaften gemeinsam mit der Stadt Schwäbisch Hall den soeben erschienenen Band 17,1 der „Evangelischen Kirchenordnungen“. Die öffentliche Vorstellung findet um 18 Uhr im Ratssaal des Rathauses statt. Es begrüßt Prof. Dr. Peter Graf Kielmansegg (Präsident der Heidelberger Akademie der Wissenschaften), Grußworte sprechen Hermann-Josef Pelgrim (Oberbürgermeister von Schwäbisch Hall) sowie Prof. Dr. Eike Wolgast (Leiter der Forschungsstelle). Den Einführungsvortrag hält Dr. Sabine Arend.

„Schwäbisch Hall bietet sich vor allem deshalb zur öffentlichen Vorstellung an, weil die Haller Texte den umfangreichsten Teil des Bandes ausmachen und weil hier der Reformator Johannes Brenz wirkte“, erklärt Arend, die den neuen Band bearbeitete. Brenz (1499-1570) studierte in Heidelberg und lernte in der Universitätsstadt am Neckar die reformatorische Lehre kennen. Als Prediger an der Michaelskirche in Schwäbisch Hall führte er seit 1522 die Reformation in der Reichsstadt ein. In der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts stand Brenz im Dienst Herzog Christophs von Württemberg. Hier entwickelte er sich zu einem der herausragenden Köpfe der Reformation im deutschen Südwesten.
Die Reformation erfuhr insbesondere durch die Reichsstädte weitreichende Impulse. Gegenüber dem Land war die Lesefähigkeit in den Städten größer, hier verbreitete sich der Humanismus mit seiner bildungsbeflissenen Frömmigkeit, hier entstanden früh reformatorische Bewegungen, die auf die umliegenden Territorien ausstrahlten.

 

Datum:5. Juni 2007, 18 Uhr
Ort:Raatssaal, 74523 Schwäbisch Hall

Die Veranstaltung ist öffentlich

 

Die Evangelischen Kirchenordnungen des XVI. Jahrhunderts. Siebzehnter Band: Baden-Württemberg III. Südwestdeutsche Reichsstädte 1. Teilband: Schwäbisch Hall, Heilbronn, Konstanz, Isny und Gengenbach. Bearbeitet von Sabine Arend. Verlag Mohr Siebeck, 2007. ISBN 978-3-16-149311-9. Leinen, ca. 640 Seiten, ca. 200 Euro.



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Internet: www.schwaebischhall.de

sowie

Dr. Sabine Arend
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E-Mail: sabine.arend@urz.uni-heidelberg.de
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Letzte Änderung: 23.06.2009