Das geheime Leben der Gegenstände: „Ding und Mensch“ in der Antike

Pressemitteilung vom 15. Januar 2008

Interdisziplinäres Symposion an der Heidelberger Akademie der Wissenschaften

 

Mit dionysischen Szenen geschmücktes und mit dünnsten Zinnplättchen verkleidetes Bronzegefäss aus einem makedonischen Kammergrab des 4. Jahrhunderts v.Chr. Krater von Derveni (Detail),
Archäologisches Museum, Thessaloniki.
(Foto: Ruth Bielfeldt)

Konsumglück, irrationaler Objektkult und eine aggressive Entwertung des Dinglichen im Zeichen der Massenprodukte – mit diesen Begriffen ist die moderne 'Dingferne' vielfach beschrieben worden. Zugleich hat gerade in der Dichtung, Philosophie und Kunst des 20. Jahrhunderts eine intensive Hinwendung zur 'Dingwelt' statt gefunden. „Diese Bewegung 'zurück zu den Dingen' hat jüngst auch die Kulturwissenschaften erreicht, und bald wird man von einem 'Thing-Turn' sprechen können“ – davon ist die Heidelberger Archäologin Dr. Ruth Bielfeldt überzeugt. „Der widersprüchliche Umgang mit den Dingen in der heutigen Lebenswelt gab den Anstoss dazu, die Frage nach dem Verhältnis von Mensch und Ding auch für die Antike zu stellen und zum Leitthema eines interdisziplinären Symposions zu machen.“

In der Heidelberger Akademie der Wissenschaften versammeln sich am 18. und 19. Januar 2008 Forscher aus den Altertumswissenschaften, der Philosophie, Ethnologie, Psychologie und Kunstgeschichte zum Heidelberger Ding-Symposion. Was bedeuteten 'die Dinge' für den antiken Menschen? Weshalb wurden sie in der antiken Literatur zu sprechenden und handelnden, mit Rhetorik und charismatischem Glanz begabten Protagonisten gemacht, warum in der antiken Kunst figürlich und bildhaft belebt? Die antiken Quellen liefern hierzu den Schlüsselbegriff 'Enargeia' (gr.), der so viel bedeutet wie „Anschaulichkeit“, „Leibhaftigkeit“, „Gegenwärtigkeit“. Ziel des Symposions ist es zu diskutieren, inwiefern Gegenstände als aktives, auf die menschliche Wahrnehmung zugehendes Gegenüber verstanden worden sind, das auch dem Menschen zu einer gesteigerten Gegenwartserfahrung verhalf.

Der Philosoph Günter Figal (Freiburg) eröffnet am 18. Januar die einleitende Sektion „Wahrnehmung der Dinge, in der moderne und antike Konzepte der Welterschließung diskutiert werden. Drei weitere Sektionen widmen sich dem Thema 'Ding und Sprache', der Frage der Lebendigkeit und Lebensechtheit antiker Dingwelt sowie zuletzt den Strategien der Veranschaulichung von Dingen in der antiken Rhetorik. Mit „Ding und Mensch in der Antike“ wird die Reihe der Akademiekonferenzen für den wissenschaftlichen Nachwuchs fortgesetzt. Ziel der Initiative ist es, jüngeren Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern die Möglichkeit zu geben, in eigener Verantwortung eine Konferenz zu organisieren. Initiatorin des Symposions ist Dr. Ruth Bielfeldt, Assistentin am Heidelberger Institut für Klassische Archäologie, Mitveranstalter sind Henning Wirth (Seminar für Alte Geschichte) und Dr. Golo Maurer (Institut für Europäische Kunstgeschichte). Die Heidelberger Akademie der Wissenschaften unterstützt die Forscherinnen und Forscher finanziell und stellt ihre Infrastruktur zur Verfügung. 


Weitere Informationen finden Sie unter www.ding-symposion.uni-hd.de

Datum:18. bis 19. Januar 2008
Beginn: 18. Januar, 9.00 Uhr
Ort:Vortragssaal der Heidelberger Akademie der Wissenschaften,
Karlstrasse 4, 69117 Heidelberg

Die Veranstaltung ist öffentlich. Um eine Akkreditierung von Journalisten wird gebeten.



Rückfragen bitte an

Dr. Johannes Schnurr
Referent für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
der Heidelberger Akademie der Wissenschaften
Telefon: 06221 / 54 34 00
Fax: 06221 / 54 33 55
E-Mail: johannes.schnurr@urz.uni-heidelberg.de
Internet: www.haw.baden-wuerttemberg.de

sowie

Dr. Ruth Bielfeldt
Institut für Klassische Archäologie
Ruprecht-Karls-Universität
Marstallhof 4
69117 Heidelberg
Telefon: 06221 / 54 25 30
E-Mail: ruth.bielfeldt@urz.uni-heidelberg.de

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Letzte Änderung: 23.06.2009