Die Vermessung der Vergangenheit – Grosser Abschlusskongress „Archäometrie“

Pressemitteilung vom 10. Januar 2007

Kolloquium an der Heidelberger Akademie der Wissenschaften vermittelt Fortschritte des Faches – Universität Heidelberg führt Forschungen seit Sommer 2006 weiter

 

Anhand von Brandspuren können die Heidelberger Forscher feststellen, wann eine Feuerstelle das letzte Mal loderte. Die entnommenen Proben werden in Dunkelheit unter schwachem Rotlicht entnommen. Schon der geringste Strahl des Tageslichts hätte die „Lumineszenzuhr“ nämlich wieder auf Null gestellt. Die Bohrungen in den Grotten in den Externsteinen, hier bei Licht nachgestellt, verlangten den Wissenschaftlern einiges an handwerklichem Können ab (vorn im Bild Dr. Clemens Woda, im Hintergrund Steinmetzmeister B. Herde).
(Foto: Robin Jähne)

In den letzten Jahren gelangen dem noch recht jungen Forschungszweig „Archäometrie“ Erfolge, die weltweit von sich reden machten. Zum ersten Mal wurde es dank neu entwickelter Messverfahren möglich, viele prähistorische Fundstücke und Sedimente physikalisch genau zu datieren. Ob es sich um trojanische Scherben, bronzezeitliche Siedlungsreste im Kraichgau oder um die Bestimmung der berühmten Nasca-Linien in Peru handelte, Archäologen und Geisteswissenschaftler ganz unterschiedlicher Disziplinen erhielten bei ihren Forschungsprojekten durch die Archäometrie unerwartete naturwissenschaftliche Unterstützung. „Wie kaum einer anderen Disziplin gelang uns damit ein Brückenschlag zwischen den Natur- und den Geisteswissenschaften“, so Prof. Dr. Günther Wagner, bis zum Juni 2006 Leiter der Forschungsstelle „Archäometrie“ der Heidelberger Akademie der Wissenschaften. „Vor allem durch das Lumineszenzverfahren konnten wir archäologische Ablagerungen, Keramiken, Steine oder auch Feuerstellen und andere historische Zeugnisse in unserem Labor zeitgeschichtlich recht genau einordnen.“

Nachdem Mitte letzten Jahres die Forschungsstelle ihre Arbeit unter der Ägide der Akademie der Wissenschaften planungsgemäss einstellte, wird die Forschung seit Juli 2006 durch die Universität Heidelberg fortgeführt. Aus Anlass der Übergabe des Labors an die Universität findet unter dem Titel „Fortschritte der Archäometrie“ am Freitag, 19. Januar, sowie am Samstag, 20. Januar, in den Räumen der Heidelberger Akademie ein Abschlusskolloquium statt. Rund 100 Wissenschaftler kommen zusammen, um das mittlerweile erreichte Leistungsspektrum des Faches und seine Entwicklung während der letzten beiden Dekaden deutlich zu machen. Die einzelnen Fachvorträge beschäftigen sich mit Fragestellungen aus den Bereichen Ägyptologie, Paläoanthropologie, Archäologie, Amerikanistik, Genetik, Biologie, Physik, Materialforschung, Geoarchäologie, Chemie und anderen mehr.

„Angesichts der grossen wissenschaftlichen Reputation, die die ehemalige Forschungsstelle Archäometrie genoss, ist es für die Forschungslandschaft in Heidelberg ein überaus erfreulicher Umstand, dass diese Institution an die Universität Heidelberg übergeben werden konnte und am Geographischen Institut als eigenständiger Bereich weitergeführt wird. Das vormals räumlich am Max-Planck-Institut für Kernphysik beheimatete Lumineszenzlabor wird am Lehrstuhl Physische Geographie des Geographischen Institutes in neuen Laborräumen etabliert“, so Wagner. Vor wenigen Wochen wurde im Neuenheimer Feld mit den Baumassnahmen begonnen, der Umzug in die neuen Räumlichkeiten wird voraussichtlich zu Beginn des Sommersemesters stattfinden.

Das neu eingerichtete Labor im Geographischen Institut (Anschrift: Im Neuenheimer Feld 348, 69120 Heidelberg), wird bewusst in räumlicher Nähe zur und in wissenschaftlich engem Verbund mit der „Forschungsstelle Radiometrie“ (Akademie der Wissenschaften, räumlich untergebracht am Institut fur Umweltphysik) und den geowissenschaftlichen Instituten der Universität Heidelberg weitergeführt. Diese Entwicklung findet nicht zuletzt vor dem Hintergrund des in Heidelberg geplanten Master-Studiengangs „Geoarchäologie“ statt, in den auch die in der Heidelberger Altstadt angesiedelten Universitätsinstitute fur Ur- und Frühgeschichte und Vorderasiatische Archäologie eingebunden sind.

 

Datum:19. und 20. Januar 2007
Ort:Heidelberger Akademie der Wissenschaften, Karlstraße 4, 69118 Heidelberg
Um eine Akkreditierung von Journalisten wird gebeten.

Die Veranstaltung ist nicht offentlich.

 

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sowie

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Pressesprecher der Universität Heidelberg

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Letzte Änderung: 23.06.2009