Führt der Glaube zu Intoleranz?

Öffentlicher Vortrag von Prof. Dr. Eberhard Schockenhoff an der Heidelberger Akademie der Wissenschaften

 

Heidelberg. Im Rahmen der interdisziplinären Tagung „Der Ungläubige in der Rechts- und Kulturgeschichte des 18. Jahrhunderts“, die von der Forschungsstelle „Deutsches Rechtswörterbuch ausgerichtet wird, lädt die Heidelberger Akademie der Wissenschaften Medienvertreter und die interessierte Öffentlichkeit herzlich zu dem Vortrag von Professor Schockenhoff ein, der zu dem Thema „Führt der Glaube zu Intoleranz?“ spricht.

Schockenhoff erläutert dazu:

„In der öffentlichen Wahrnehmung wird Religion häufig mit Fanatismus und Intoleranz gleichgesetzt. Religionen haben nach dieser Einschätzung ein enormes inneres Gewaltpotential, das sich nur schwer domestizieren lässt. Umgekehrt erscheint es als eine Forderung demokratischer Toleranz, immer nur vorläufige und relative Wahrheitsansprüche anzuerkennen. Der Vortrag zeigt auf, dass beide Einstellungen auf Fehldeutungen beruhen. Weder ist Religion notwendig gewaltsam noch erfordert die Tugend demokratischer Toleranz den Verzicht auf einen religiösen Wahrheitsanspruch. Toleranz, die durch eine innere Gleichgültigkeit gegenüber dem Anspruch der Wahrheit erkauft ist, verdient diesen Namen nicht. Sie ist erst dann Ausdruck der Anerkennung des anderen, wenn wir ihm in dem Achtung entgegenbringen, indem er sich von uns in seiner kulturellen und religiösen Identität unterscheidet. Insofern gehören Differenzbewusstsein und die Fähigkeit zur Toleranz innerlich zusammen. Auf dem Zweiten Vatikanischen Konzil gelang der katholischen Kirche der Durchbruch zur Anerkennung der Gewissens- und Religionsfreiheit und schuf dadurch die Basis für religiöse Toleranz und den interreligiösen Dialog.“

 

Professor Eberhard Schockenhoff ist einer der führenden Wissenschaftler auf dem Gebiet für Moraltheologie und Geschäftsführender Direktor des Instituts für Systematische Theologie an der Universität Freiburg. Seit 2001 ist er Mitglied im Nationalen Ethikrat, seit 2008 stellvertretender Vorsitzender im Deutschen Ethikrat. Seit 2009 ist er ordentliches Mitglied der Heidelberger Akademie der Wissenschaften.

 

 

Der Vortrag beginnt am 29. September 2011 um 20 Uhr und findet im Vortragssaal der Akademie der Wissenschaften, Karlstraße 4, Heidelberg statt. Der Eintritt ist frei.

 

Wir würden uns über eine entsprechende Ankündigung freuen.

Weitere Informationen finden Sie unter: www.deutsches-rechtswoerterbuch.de/aktuell.htm