Ethische Fragen der modernen Medizin - Auswärtige Sitzung in Ulm

14. Dezember 2013, 11 Uhr im Stadthaus Ulm, Münsterplatz 50

Der Ulmer Spezialist für Kinder- und Jugendmedizin, Prof. Dr. Klaus-Michael Debatin, und der Freiburger Moraltheologe, Prof. Dr. Eberhard Schockenhoff, werden jeweils aus ihrer Sicht über ethische Fragen der modernen Medizin sprechen.

Intensivstation Intensivstation, Foto: Universitätsklinik Ulm
 

Klaus-Michael Debatin, Leitender Ärztlicher Direktor des Universitätsklinikums Ulm konstatiert: „In der Medizin gibt es eine Vielzahl von Entwicklungen, die ein breites Spektrum an ethischen Fragen aufwerfen: Wie verändern die Fortschritte in der biomedizinischen Forschung, insbesondere der Genomanalyse oder die technische Entwicklung in der Diagnostik und Therapie das Wesen der Medizin? Was bedeutet die Transformation der Medizin, auch der Universitätsmedizin, in ein Geschäftsfeld eines Wirtschaftsunternehmens – wozu führen Anreizsysteme in der Vergütung? Wird das Krankenhaus zur ‚Medizinwerkstatt‘ mit bestimmten ‚Produktionsbedingungen‘? Wollen wir medizinische Erkenntnisse zur Leistungsverbesserung einsetzen (Superhirn)? Diesen Fragen muss sich die Gesellschaft stellen, um eine Medizin im Dienste der Menschen weiterzuentwickeln und zu erhalten.“

 

Eberhard Schockenhoff, der seit 2001 Mitglied im Nationalen Ethikrat und auch Herausgeber der Zeitschrift für medizinische Ethik ist, sagt: "Die moderne Medizin fordert aufgrund ihrer Erfolge zu ethischen Fragen heraus“. Ein zentrales Thema der auswärtigen Sitzung wird die durch moderne Medizin ermöglichte künstliche Verlängerung des Lebens sein. Schockenhoff bezieht hier eine klare Position: „Wenn eine Maßnahme nicht mehr verhältnismäßig ist und für den Patienten unzumutbare Nebenfolgen mit sich bringt, besagt ein verantwortlicher Umgang mit den Möglichkeiten der modernen Medizin, auf die Behandlung zu verzichten oder sie abzubrechen. Der Auftrag der Medizin lautet nicht: Lebensverlängerung um jeden Preis. Vielmehr steht sie im Dienst am kranken Menschen und ist darauf verpflichtet, dessen Wohl zu beachten. In immer stärkerem Maße tritt dabei auch der Patientenwille und seine informierte Einwilligung in den Behandlungsvorschlag des Arztes als Richtschnur für das ärztliche Handeln hinzu."

 

Prof. Dr. Klaus-Michael Debatin und Prof. Dr. Eberhard Schockenhoff sind ordentliche Mitglieder der Heidelberger Akademie der Wissenschaften.

 

Medienvertreter sind herzlich eingeladen. Über eine Ankündigung und Berichterstattung freuen wir uns. Die Veranstaltung ist öffentlich, der Eintritt ist frei.

 

Die auswärtige Sitzung findet in jährlichem Wechsel mit jeweils einer anderen Landesuniversität von Baden-Württemberg statt. Zu dieser öffentlichen Veranstaltung sprechen Mitglieder der Mathematisch-naturwissenschaftlichen und der Philosophisch-historischen Klasse der HAW.

Die Heidelberger Akademie der Wissenschaften, gegründet 1909, ist die wissenschaftliche Akademie des Landes Baden-Württemberg und eine der acht deutschen Akademien der Wissenschaften. Als außeruniversitäre Forschungseinrichtung verantwortet sie derzeit über 20 Forschungsvorhaben, in denen etwa 230 Mitarbeiter beschäftigt sind. Die rund 180 gewählten Mitglieder treffen sich als herausragende Vertreter ihrer jeweiligen Disziplin regelmäßig zum fächerübergreifenden Gespräch, die Akademie veranstaltet wissenschaftliche Tagungen sowie öffentliche Vortragsreihen. Ein wichtiges Anliegen der Akademie ist die Förderung von herausragenden Nachwuchswissenschaftlern. Amtierender Präsident ist Paul Kirchhof.

 

Kontakt:

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