Junge Wissenschaftler von Heidelberger Akademie der Wissenschaften ausgezeichnet:

 

2011 werden vier Preise im Gesamtwert von 23.000 Euro vergeben

 

Heidelberg. Am 27. Mai 2011 um 15 Uhr werden die diesjährigen Preisträger ihre von der Heidelberger Akademie der Wissenschaften ausgezeichneten Arbeiten der Öffentlichkeit kurz vorstellen. Hierzu lädt die Akademie alle Interessierten herzlich ein.

Die Veranstaltung findet im Akademiegebäude in der Karlstraße 4 statt. Die Preisverleihung erfolgt einen Tag später, am 28. Mai 2011, im feierlichen Rahmen der Jahresfeier der Akademie. 

 

Preisträger 2011 

  Martin  Niessner  Schock-kusch  Eickmeyer
 Dr. Christian Georg Martin  PD Dr. Jennifer Niessner  Dr. Daniel Schock-Kusch  Dr. Jost Eickmeyer

 

 

Gleich drei Stiftern und dem Förderverein der Akademie ist es zu verdanken, dass auch dieses Jahr eine junge Wissenschaftlerin und drei junge Wissenschaftler von der Heidelberger Akademie der Wissenschaften, der Akademie der Wissenschaften des Landes Baden-Württemberg, für ihre Arbeiten mit Preisen ausgezeichnet werden.

 

Der Akademiepreis wurde 1984 vom Verein zur Förderung der Heidelberger Akademie der Wissenschaften e.V. gestiftet, um den wissenschaftlichen Nachwuchs in Deutschland zu fördern. Er ist mit 6.000 Euro dotiert. Die Preisträger-Vorschläge erfolgen abwechselnd durch die Mitglieder der Mathematisch-naturwissenschaftlichen und der Philosophisch-historischen Klasse der Akademie. Dieses Jahr wird der Preis an Dr. Christian Georg Martin (Jg. 1980) gehen. Nach einem Magisterstudium der Philosophie, Germanistischen Linguistik und Westslavischen Philologie in Freiburg (2001-2003), Prag (2003-2004) und München (2004-2006) folgte ein Promotionsstudium an der LMU München, das Martin 2010 abschloss. Während dieser Zeit hielt er sich 2008 auch an der Jagiellonen-Universität in Krakau auf. Heute arbeitet Martin als Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl II der Philosophischen Fakultät an der LMU München. Bereits 1996 erhielt Martin den 2. Preis beim Landeswettbewerb „Jugend forscht“ (Baden-Württemberg, Fachbereich Chemie), dann gewann er 1998 den 1. Preis beim Landeswettbewerb „Alte Sprachen“ (Baden-Württemberg). Für die Zeit von 2001-2009 wurde er mit einem Studien- und Promotionsstipendium der Studienstiftung des deutschen Volkes gefördert. Den Akademiepreis erhält er für seine Dissertation zum Thema „Ontologie der Selbstbestimmung. Eine operationale Rekonstruktion von Hegels ‚Wissenschaft der Logik’“. Anliegen von Christian Martins Dissertation ist mit seinem Worten „die eigenständige argumentative Rekonstruktion von Hegels Hauptwerk ‚Wissenschaft der Logik’, das in der Forschung als besonders dunkel gilt. Ich verstehe die ‚Logik’ als kritische Ontologie, nämlich als eine nach Außerkraftsetzung aller dogmatischen Vorannahmen in reinem Denken vollzogene Entfaltung begrifflicher Bestimmungen, die ausdrücken, was dazu, dass überhaupt etwas ist, notwendig dazugehört. Der systematische Ertrag der Arbeit besteht im Nachweis, dass und inwiefern in und aus einem physikalisch, chemisch und biologisch charakterisierbaren Naturkontinuum notwendig leibhaftige Selbstbestimmungszentren,

d. h. Personen hervortreten, welche dieses Kontinuum durch ihre Vollzüge zu einer gemeinsamen, bedeutungshaften Welt gestalten, in der Freiheit konkrete Realität zu haben vermag.“

 

Der Dulger-Preis wurde 2006 von der Sigrid-und-Viktor-Dulger-Stiftung zur Förderung junger Wissenschaftler im Land Baden-Württemberg gestiftet. Er ist mit 5.000 Euro dotiert und prämiert vorzugsweise Arbeiten aus dem Bereich der Technikwissenschaften einschließlich technikbezogener Arbeiten aus benachbarten Fächern.

Der diesjährige Preis wird an Privatdozentin Dr. Jennifer Niessner (Jg. 1979) vergeben. 2003 machte Niessner ihren Studienabschluss in Umweltschutztechnik (Dipl.-Ing.) und Water Resources Engineering and Management (M.Sc.) an der Universität Stuttgart (beide mit Auszeichnung). Ihre Diplomarbeit verfasste sie am Institut National de Recherche en Informatique et Automatique in Paris. Von 2003 bis 2006 war sie an der Universität Stuttgart Doktorandin und Lehrassistentin am Institut für Wasserbau. Während dieser Zeit hatte sie einen zweimonatigen Forschungsaufenthalt am Center of Integrated Petroleum Research an der Universität Bergen in Norwegen. 2006 wurde sie an der Universität Stuttgart promoviert. Ihre Dissertation zu dem Thema “Mehrskalenmodellierung von Mehrphasen-Mehrkomponentenprozessen in heterogenen porösen Medien” wurde mit Auszeichnung bewertet. Von 2008 bis 2011 war sie Akademische Rätin am Institut für Wasserbau an der Universität Stuttgart. Ihre Habilitation zum Thema “The role of interfacial area in two-phase flow in porous media – bridging scales and coupling models”, für die sie mit dem Dulgerpreis ausgezeichnet wird, schloss sie 2010 ab. Seit Februar 2011 arbeitet sie für die Zentrale Forschungsabteilung der Robert Bosch GmbH in Gerlingen. Niessner erhielt zahlreiche Stipendien und Preise, darunter den 1. Preis im Landeswettbewerb “Alte Sprachen”, den 2. Preis im Bundeswettbewerb Mathematik, ein Stipendium

der “Studienstiftung des deutschen Volkes”, ein Stipendium der Landesgraduiertenförderung Baden-Württemberg, ein Forschungsstipendium der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG), das Stipendium “Fast Track“ der Robert-Bosch-Stiftung (Karriereförderung 20 weiblicher Post-Docs aus Natur- und Ingenieurwissenschaften) sowie 2011 den Internationalen Wissenschaftspreis der Society for Industrial and Applied Mathematics: SIAM Geosciences Junior Scientist Prize (Preisverleihung 22.3.2011, Long Beach, California, USA). Ihre mit dem Dulger-Preis ausgezeichnete Arbeit beschreibt sie folgendermaßen: „Meine Habilitation beschäftigt sich mit einer thermodynamisch konsistenten Modellierung von Zweiphasenströmung in porösen Medien, die für das Verständnis, die Vorhersage und Optimierung der Prozesse in vielen umweltbezogenen, technischen und biologischen Systemen extrem relevant ist. Hierzu gehören die CO2-Speicherung im Untergrund, die Methanmigration aus stillgelegten Kohlebergwerken, die Migration radioaktiver Gase aus nuklearen Endlagern (umwelttechnische Systeme), die Vorgänge in Brennstoffzellen und Wärmetauschern (technische Systeme) oder die für die Krebstherapie wichtige Interaktion zwischen Blutgefäßen und Interstitium (biologische Systeme). Durch meine Forschungsarbeit können bei der Modellierung obengenannter Prozesse eine Anzahl von bisher empirischen Zusammenhängen nun in einer physikalisch basierten Art und Weise beschrieben werden, was insbesondere bei der Beschreibung von Phasenübergangsprozessen (Evaporation, Lösung, Kondensation) sowie bei Wärmeübergang zwischen den Phasen von großer Bedeutung ist. Dies macht die Vorhersagen nicht nur viel verlässlicher, sondern spart auch aufwändige experimentelle Vorabbestimmung empirischer Fitting-Parameter.“

 

1997 stiftete der Unternehmer Dr. Walter Witzenmann den mit 6.000 Euro dotierten Walter Witzenmann-Preis, um den kulturwissenschaftlichen Nachwuchs im Land Baden-Württemberg zu fördern. Dieses Jahr geht der Preis an Dr. Jost Eickmeyer (Jg. 1979). Er studierte ab 2001 Germanistik, Latinistik und Philosophie an der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg. Das 2005 mit dem Magister Artium abgeschlossene Studium wurde von der Studienstiftung des Deutschen Volkes gefördert. 2010 schloss er seine ebenfalls von der Studienstiftung geförderte Promotion bei Prof. Dr. Wilhelm Kühlmann ab. In seiner Dissertation „Der jesuitische Heroidenbrief. Zur Christianisierung und Kontextualisierung einer antiken Gattung in der Frühen Neuzeit“, für die er den Preis erhält, „beleuchtet er zum ersten Mal ausführlich die Geschichte der Gattung zwischen 1514 und 1660, wobei v.a. die durchweg lateinischsprachige Dichtung deutscher und flämischer Jesuiten im Zentrum steht. Dabei stellt er einerseits die teils umfangreichen, bislang nicht oder unzureichend modern edierten Sammlungen vor und bindet andererseits einzelne Heroidenbriefe durch detaillierte Textanalysen an ihre jeweiligen kirchen- und profanhistorischen, poetologischen und situativen Kontexte zurück. Gezeigt wird, wie sich die Gattung durch die Christianisierung des antiken Vorbildes Ovid in Humanismus und Barock entfaltet und wie sie im Vergleich zu anderen populären dichterischen Gattungen der Zeit (Epos, Drama, Lyrik) spezifisch funktionalisiert wurde.“

 

Anlässlich des 100. Geburtstages von Karl Freudenberg wurde bereits 1986 von der Weinheimer Firma Freudenberg der mit 6.000 Euro dotierte Karl Freudenberg-Preis gestiftet. Prämiert werden jährlich herausragende wissenschaftliche Arbeiten aus dem Bereich der Naturwissenschaften, vor allem aus Chemie und Biologie. Der Preis dient ebenfalls der Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses in Baden-Württemberg. 2011 geht der Preis an Dr. Daniel Schock-Kusch (Jg. 1979). Er absolvierte von 2000 bis 2005 ein Studium in Biotechnologie an der Fachhochschule für Technik und Gestaltung Mannheim, das er als Dipl.-Ing. (FH) abschloss. In dieser Zeit wählte er ein Auslandssemester an der University of Connecticut, USA. Von 2005 bis 2008 verfasste er seine Dissertation zum Thema „Entwicklung neuer Substanzen zur Bestimmung der Nierenfunktion: Farbmarkierte Fruktosane“ am Zentrum für Medizinische Forschung der Medizinischen Fakultät Heidelberg im Klinikum Mannheim. Er wurde 2008 zum Dr. sc. hum. mit dem Prädikat „summa cum laude“ promoviert. Bis 2010 war er Research Scientist bei der InnovationLab GmbH Heidelberg. Seit Mai 2010 ist Schock-Kusch Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Zentrum für medizinische Forschung der Medizinischen Fakultät Mannheim der Universität Heidelberg. Er erhielt 2009 den Promotionspreis des Vereins „Medizintechnik Rhein-Neckar-Dreieck e.V“ und war Preisträger beim Wettbewerb „365 Orte im Land der Ideen 2011“ der Initiative „Deutschland – Land der Ideen“ unter Schirmherrschaft des Bundespräsidenten und der Deutschen Bank. Er ist Mitgründer der Mannheim Pharma & Diagnostics GmbH. Das mit dem Karl Freudenberg-Preis ausgezeichnete Projekt beschreibt er wie folgt: „Im Projekt wurde die Kombination eines fluoreszierenden in-vivo Diagnostikums zur Bestimmung der Filtrationsleistung der Nieren (glomeruläre Filtrationsrate, GFR) und einem miniaturisierten optischen Sensor, der auf die Haut aufgeklebt wird, entwickelt. Dieses System erlaubt die Bestimmung der GFR ohne Blut- oder Urinabnahmen und labortechnische Untersuchungen.“