Welterschließung im Spannungsfeld zwischen symbolischer und universalisierter Rationalität


Kollegiaten

Dr. Stefan Seit

Dr. Pavlína Rychterová

Dr. Raphaela Veit

 

Die Arbeitsgruppe fragt nach dem Spezifikum der europäischen Kultur unter einer rationalitätsgeschichtlichen Perspektive. Diesem Ansatz liegt die These zugrunde, daß die Frage nach den Denkstrukturen einen wesentlichen Beitrag zur historischen Erforschung einer Kultur zu leisten vermag. Demnach ist die europäische Kultur von einer Rationalitätskonzeption gekennzeichnet, die der erkennenden Seele des Menschen (mens) einerseits die Aufgabe zuweist, sich im Symbol die Welt als Ganze zu erschließen. Andererseits wird an die menschliche Vernunft (ratio) die Anforderung möglichst präziser begrifflicher „Erkenntnis aus Gründen“ gestellt. Beide Erkenntnismodi verhalten sich komplementär zueinander, wenngleich ihr Verhältnis im historischen Prozeß stets neu und anders austariert wurde und wird. Vor diesem Hintergrund untersucht die Arbeitsgruppe zum einen die dieser Entwicklung immanenten Gründe, die schließlich in die Ausbildung und Etablierung des für die europäische Kultur prägenden Wissenschaftskonzeptes münden. Doch soll zum anderen die Kritik ins Auge gefaßt werden, die unter Berufung auf ein mystisch-charismatisches Verständnis der (Gottes-)Erkenntnis an der Universitätswissenschaft geübt wird. Schließlich werden die Bestrebungen im italienischen Renaissance-Humanismus erforscht, die scholastische Universitätswissenschaft zu überwinden und dabei auch dem Fremden und Unbekannten, das sich gegen die wissenschaftliche Systematisierung sperrt, erkenntnisfundierende Relevanz zuzuweisen. Die Arbeitsgruppe setzt sich aus Vertretern der allgemeinen Geschichtswissenschaft, der Wissenschafts-, Philosophie- und Theologiegeschichte sowie der Islamwissenschaften zusammen und besitzt eine vornehmlich mediävistische Ausrichtung.

 


verantwortlich: Redaktion
Letzte Änderung: 28.09.2009