Zeiten des Umbruchs? Gesellschaftlicher und naturräumlicher Wandel am Beginn der Bronzezeit

Kollegiaten

Prof. Dr. Johannes Krause

PD Dr. Philipp W. Stockhammer

 

Mitarbeiter

Malte Fabian Wittenborn

 

Kontaktadresse

PD Dr. Philipp W. Stockhammer

Universität Heidelberg

Exzellenzcluster „Asien und Europa im globalen Kontext“ & Institut für Ur- und Frühgeschichte und Vorderasiatische Archäologie

Marstallhof 4

69117 Heidelberg

philipp.stockhammer@zaw.uni-heidelberg.de

 

K _nigsbrunn - Obere Kreuzstra _e Grab 23
Königsbrunn - Obere Kreuzstraße (Baugebiet 110) Grab 23. Foto:
ABK-Süd; mit freundlicher Genehmigung von Ken Massy, LMU München
 

Der Übergang vom Neolithikum zur frühen Bronzezeit in Mitteleuropa im späten 3. und frühen 2. Jt. v. Chr. wird von der Mehrheit der Forschung bislang als überregional einheitlicher Prozess imaginiert, in dessen Verlauf man einerseits die neue Technologie des Bronzehandwerks immer besser beherrschte und es andererseits zur Herausbildung einer überregionalen Elite kam, deren Macht auf weiträumigen Netzwerken und der Kontrolle des Metallhandwerks und seiner Produkte basierte. Offenbar spielte sich dieser Wandel jedoch in regionaler, ökologischer, chronologischer und sozialer Hinsicht weitaus differenzierter ab.

Ziel unseres Projekts ist es, für Südwestdeutschland zwischen Lech, Rhein und Neckarmündung zu zeigen, in welchem Umfang endneolithische und frühbronzezeitliche Gesellschaften zeitgleich nebeneinander existierten und inwiefern sich die verschiedenen regionalen Gruppen in ihrer Mobilität, Ernährung und anderen sozialen Praktiken sowie ihrer materiellen Kultur unterschieden. Wir möchten mit Hilfe von aDNA-Analysen klären, inwiefern genetische Verwandtschaftsbeziehungen zwischen herausragend ausgestatteten Bestattungen der Frühbronzezeit sowie zwischen endneolithischen und frühbronzezeitlichen Gesellschaften bestanden, also unsere technologiebasierten Gesellschaftsdifferenzierungen auch prähistorische Distinktionen widerspiegeln. Dies ist deshalb von besonderem Interesse, weil im Arbeitsgebiet eine Vielzahl endneolithischer und frühbronzezeitlicher Bestattungen in unmittelbarer Nachbarschaft und zum Teil sogar im selben Gräberfeld ergraben werden konnten. Isotopenanalysen an menschlichem Skelettmaterial erlauben uns zudem Rückschlüsse auf individuelle Mobilitätsmuster und Ernährungsgewohnheiten und deren mögliche Veränderung vom Neolithikum zur frühen Bronzezeit. Mit Hilfe von Blei- und Zinnisotopie möchten wir die Herkunft des für die Metallobjekte verwendeten Kupfers und Zinns lokalisieren. Zudem fragen wir, inwiefern die Übernahme der Bronzetechnologie durch lokale Gemeinschaften eine Veränderung der Mensch-Umwelt-Beziehung – etwa in Form neuer Subsistenztechniken – zur Folge hatte und überprüfen deshalb relevante Umweltarchive in der Umgebung der von uns untersuchten Fundorte, um mikroregionale Landschaftsveränderungen im späten 3. und frühen 2. Jt. v. Chr. aufspüren zu können.

Im Rahmen unseres Projekts möchten wir einerseits das gängige Narrativ vom kontinuierlichen technischen Fortschritt dekonstruieren und andererseits die historische Dimension von technischen Aneignungsprozessen demonstrieren, die in den Sozialwissenschaften bislang ohne Berücksichtigung einer diachronen Perspektive diskutiert werden. Die Einbeziehung der gesamten menschlichen Lebenswelt durch die Integration aktueller geistes- und naturwissenschaftlicher Forschungsansätze wird uns ermöglichen, den gesellschaftlichen und naturräumlichen Wandel am Beginn der Bronzezeit in seinen Ausmaßen und seiner Bedeutung für den prähistorischen Menschen besser zu verstehen.

verantwortlich: Redaktion
Letzte Änderung: 08.07.2014