Digitale Geoarchäologie — Einsatz neuer Technologien in der interdisziplinären Mensch-Umwelt-Forschung

Akademiekonferenz für junge Wissenschaftler

 

  an der Heidelberger Akademie der Wissenschaften,
  7. und 8. November 2013
   

 

Das wissenschaftliche Konzept der modernen Archäologie entwickelte sich in den letzten Jahren verstärkt zu einem interdisziplinären Forschungsansatz, der eine Vielzahl neuer Methoden und Datensätze kombiniert. Dieser Trend ist vor allem auf die wachsende Erkenntnis zurückführen, dass das Wirken des Menschen und die naturräumlichen Bedingungen seiner Umwelt in enger Wechselwirkung stehen und sich gegenseitig maßgeblich steuern. Dabei avancierte insbesondere die geowissenschaftliche Forschung zum integralen Bestandteil kulturhistorischer Untersuchungen. Demgemäß wird die Untersuchung archäologischer Landschaften sowie einstiger Paläoumweltbedingungen mittlerweile als Geoarchäologie bezeichnet. Diese noch relativ junge, fächerübergreifende Disziplin vereint neben geomorphologischen, geophysikalischen und archäometrischen Methoden auch zunehmend digitale Verfahren und Techniken. Die Identifikation und Dokumentation archäologischer Fundstätten mithilfe von Satellitenbildern, Photogrammetrie und Laserscanning oder die Nutzung digitaler Geländemodelle zur Analyse archäologisch interessanter Lokalitäten sind nur einige wenige Beispiele für ihre vielseitigen Anwendungsgebiete.

Das Ausmaß und die Vielfalt des neuartigen Methodenspektrums, das sich treffend als digitale Geoarchäologie definieren lässt, belegt nachdrücklich die wachsende Bedeutung geoinformatischer Anwendungen in der Archäologie. Dessen ungeachtet existiert hier jedoch noch immer großer Diskussionsbedarf, denn die Rekonstruktion historischer Landschaften wurde sowohl von archäologischer als auch von geo- und computerwissenschaftlicher Seite oftmals nur separat bzw. monodisziplinär untersucht. Indessen offenbart ein Blick auf den aktuellen Forschungsstand signifikante inhaltliche und methodische Überschneidungen zwischen den einzelnen fachspezifischen Ansätzen. Eine verstärkte Kooperation und ein verbesserter Wissenstransfer sind für zukünftige Forschungsvorhaben wünschens- und erstrebenswert, da sie wesentliche Synergieeffekte für alle beteiligten Fächer versprechen.

Ziel der Tagung ist daher die Anregung eines bewussten, fächerübergreifenden Dialogs und eine verstärkte Zusammenarbeit bei Untersuchungen an der Schnittstelle von Mensch und Umwelt. Jungen Wissenschaftlern aus den Bereichen Archäologie, Geschichte, Geographie, Geoinformatik, Computerwissenschaften, etc. wird dabei die Möglichkeit eröffnet, gemeinsame Arbeitsfelder aufzudecken, einen Einblick in die Konzepte verschiedener Disziplinen mit gleichen Interessen zu erlangen und zukunftsfähige Netzwerke zu bilden. Zu den inhaltlichen Themenschwerpunkten zählen unter anderem terrestrisches und flugzeuggestütztes Laserscanning, geographische und archäologische Informationssysteme, raum-zeitliche GIS-Analysen, satellitenbildgestützte Fernerkundung, digitale Bildverarbeitung, Musterdetektion, digitale Geländemodelle, Datenbanken, 3D-Visualisierung oder geophysikalische Sondierungen.

Eine transparente Präsentation von Forschungsergebnissen in einem kulturhistorisch hochbrisanten Forschungsfeld wie der Archäologie erfordert jedoch auch eine öffentlichkeitswirksame Darstellung – gerade beim Schutz von historischen Denkmälern und wertvollem Kulturerbe. Deshalb bilden Öffentlichkeitsarbeit und Transfer geoarchäologischer Inhalte in einem multidisziplinären Umfeld die zweite inhaltliche Säule der Konferenz. Sie sollen die Zusammenarbeit und den Austausch zwischen Wissenschaftlern, interessiertem, nicht-akademischem Publikum und Behörden verbessern helfen.

 

Veranstalter

Dr. Christoph Siart & Dipl.-Geogr. Markus Forbiger (Geographisches Institut, Universität Heidelberg)

Dr. des. Georg Christ (Transcultural Studies, Universität Heidelberg)

Dipl.-Rpfl. Olaf Wagener BA (Vorsitzender der wissenschaftlichen Kommissionen des Freundeskreises Bleidenberg e.V.  &  Historisches Seminar der Universität Heidelberg)

 

Kontakt

Dr. Christoph Siart & Dipl.-Geogr. Markus Forbirger
Geographisches Institut der Universität Heidelberg
Im Neuenheimer Feld 348
D-69120 Heidelberg
Email: Christoph.Siart@geog.uni-heidelberg.de

 

Weitere Informationen erhalten Sie auf der offiziellen Website.

verantwortlich: Redaktion