Historischer Abriss

Im Zusammenhang mit Philipp Melanchthons 400. Geburtsjubiläum 1897 wurde erstmals eine kritische Neuausgabe seines Briefwechsels beschlossen und in Angriff genommen. Doch ließen im folgenden eine Verkettung widriger Umstände im personellen Bereich und nicht zuletzt zwei Weltkriege den Plan scheitern. Erst nach dem 400. Todesjahr Melanchthons 1960 wurde das Projekt wieder aufgegriffen: Heinz Scheible entwarf nach umfangreichen Recherchen und gründlicher Sammlung des Materials (9722 Briefe) ein detailliertes Konzept für die Durchführung des Projektes. Demnach wird die kritische und kommentierte Gesamtausgabe des Briefwechsels Melanchthons in zwei Teilen und damit zwei Stufen realisiert: dem Regestenwerk und der kritischen Textedition. Die erste, grundlegende Phase der Projektierung wurde von der Badischen Landeskirche und der Fritz Thyssen Stiftung finanziert.

 

1963 gründete Heinz Scheible im Auftrag seines Lehrers Heinrich Bornkamm in Heidelberg eine Melanchthon-Forschungsstelle, die 1965 auf Antrag von Heinrich Bornkamm in die Arbeitsvorhaben der Heidelberger Akademie der Wissenschaften aufgenommen wurde. Der Aufbau zu einem funktionsfähigen Spezialinstitut mit seit 1969 zwei, seit 1985 drei wissenschaftlichen Planstellen und einer dreiviertel Stelle für Verwaltung und wissenschaftliche Hilfsarbeiten, mit studentischen Hilfskräften, einer sorgfältig ausgewählten Spezialbibliothek und einem PC-Netzwerk erfolgte kontinuierlich.

 

Zum 500. Geburtstag Melanchthons 1997 konnte die Melanchthon-Forschungsstelle das Regestenwerk des Briefwechsels in acht Bänden und die ersten beiden Bände der Textedition sowie zahlreiche Einzelpublikationen aus dem Bereich Humanismus und Reformation vorweisen. Mit dem Erscheinen der Addenda und Konkordanzen, des Ortsregisters und zweier Bände des Personenindex ist das Regestenwerk nahezu abgeschlossen.

 

Seit 1991 erscheinen Textbände. Die Arbeit an der Textedition ist nun die wesentliche Aufgabe der Foschungsstelle und wird kontinuierlich und zügig vorangetrieben.

 

Im Jahr 2010, in dem des 450. Todestages Melanchthons gedacht wird, gelingt der Schritt ins Internet; die bisher gedruckt erschienenen Regesten werden in einer Datenbank mit verschiedenen Suchmöglichkeiten online gestellt und stehen den Benutzern kostenlos zur Verfügung.

Literatur:

Walter Thüringer, Die Melanchthon-Forschungsstelle Heidelberg. Gründung, Entwicklung, Ertrag, in: Dona Melanchthoniana. Festgabe für Heinz Scheible zum 70. Geburtstag, hrsg. von Johanna Loehr, Stuttgart-Bad Cannstatt, Verlag Frommann-Holzboog, 2001, S. 521-536.

 

Christine Mundhenk, Melanchthons Briefwechsel. In: Volker Sellin, Eike Wolgast und Sebastian Zwies (Hrsgg.), Die Forschungsvorhaben der Heidelberger Akademie der Wissenschaften 1909-2009. Heidelberg: Winter 2009, S. 155-161.

verantwortlich: Redaktion
Letzte Änderung: 03.05.2010