Editionsbeispiel

Die Präsentation eines Stückes in MBW erfolgt nach einem festen Schema. Die Titelzeile mit Nummer, Absender, Adressat, Ort und Datum wird aus dem Regestenwerk übernommen.

Im sich daran anschließenden Vorspann wird die komplette handschriftliche und gedruckte Überlieferung des Textes aufgelistet. Bevor der Text des eigentlichen Briefes beginnt, wird in der sogenannten „Text aus“-Zeile darüber informiert, aus welchem Überlieferungsträger die Edition erfolgt.

Hier seien die am häufigsten vorkommenden Fälle geschildert:
Sollte das Autograph oder die Ausfertigung eines Briefes erhalten sein, erfolgt die Edition natürlich daraus. Korrekturen und Veränderungen im Original werden im sogenannten entstehungsgeschichtlichen Apparat (E) verzeichnet.

Ist eine Abschrift die Vorlage, werden wichtige Varianten anderer Abschriften im textkritischen Apparat (T) aufgeführt. Ein wirkungsgeschichtlicher Apparat (W) dokumentiert Textänderungen in den Briefausgaben des 16. Jahrhunderts und im „textus receptus“. Zitate, Anspielungen und im Text erwähnte Schriftstücke werden nach Möglichkeit identifiziert und im Quellenapparat (Q) angegeben.

Der edierte Brieftext übernimmt dabei auch wieder die Paragrapheneinteilung des Regests.


Beispiele für die Edition:

Autograph

Autograph1


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Brieftext

 

Autograph2

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Bild edierter Text mit Markierungen

Autograph3

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Eine besondere Gruppe von Autographen bilden die Briefe Melanchthons an seinen lebenslangen Freund Joachim Camerarius, welche in der Bibliotheca Vaticana aufbewahrt werden (Rom Biblioteca Apostolica Vaticana, Cod. Chis. J VIII 293 und 294).

Nikolaus Müller (1857-1912), später Professor für Kirchengeschichte in Berlin, hatte während seiner Zeit als Stipendiat des Deutschen Archäologischen Instituts, den Handschriftenband genau kollationiert. Er ließ ein Exemplar der Ausgabe von Melanchthonbriefen, die Joachim Camerarius 1569 veranstaltet hatte, aufteilen und nach jedem Blatt eine Leerseite einschießen. In dieses Exemplar trug er dann penibel in einer besonderen Kurzschrift alle Abweichungen, die er beim Vergleich des Druckes mit den Autographen feststellte, ein. Fast alle Streichungen, die von Melanchthon stammen, hat er am Original entziffern können und in dieses Handexemplar eingetragen. Anhand der Tinte konnte er unterscheiden, ob eine Streichung bereits durch Melanchthon oder erst durch Camerarius erfolgt war. Dieses Handexemplar ist heute noch in der Forschungsstelle vorhanden und wird bei der Edition der Camerarius-Briefe zu Rate gezogen.

 

Beispielseiten Müller

Autograph4

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Autograph5

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Edition einer Vorrede
287 Stücke in MBW sind Vorreden, von diesen stammt der weitaus größte Teil von Melanchthon. Einige Vorreden hat er für andere verfasst, doch die meisten sind unter seinem eigenen Namen erschienen. Da der Erstdruck damit quasi das Original ist, wird dieser für die Edition zugrunde gelegt. Das Titelblatt des Erstdrucks wird diplomatisch wiedergegeben, die Textkonstitution erfolgt nach den auch sonst für MBW geltenden Regeln.
Die zunehmende Digitalisierung von Drucken der frühen Neuzeit erleichtert den Zugang zu den Exemplaren erheblich.

verantwortlich: Redaktion
Letzte Änderung: 08.12.2015