Konzeption

Der Gesamtbestand der zu publizierenden Keilschrifttexte literarischen Inhalts aus Assur wird in voraussichtlich 20 Bänden vorgelegt, welche die Monographienserie ‚KAL‛ (‚Keilschrifttexte aus Assur literarischen Inhalts‛) bilden. Er besteht einerseits aus Texten, die eindeutig lesbar sind und bestimmten inhaltlich definierten Textgruppen oder ‚Textsorten‛ zugewiesen werden können, andererseits enthält er stark fragmentierte Texte, die gleichwohl für die weitere Textrekonstruktion von großer Wichtigkeit sind. Es erschien deshalb als sinnvoll, die Reihe so anzulegen, dass in einem Teil ihrer Bände die Texte vorgelegt werden, die den inhaltlich definierten Textgruppen zuweisbar sind, und in einem zweiten, kleineren Teil der Bände die weniger gut erhaltenen Textbruchstücke.

Angesichts der großen Menge an Texten, die inhaltlich klassifiziert werden können, empfiehlt sich für die Präsentation dieses Textmaterials eine Ordnung, die einer Einteilung in inhaltlich definierte Textgruppen folgt. Eine solche Sortierung des Textbestandes liegt im Wesentlichen auch den älteren Editionen zugrunde. Deren Einteilung in eine große Gruppe solcher Texte, die religiösen Inhalts sind, und in eine ebenfalls sehr große Gruppe von Textdokumenten zur Pharmakologie und Medizin wird jedoch in KAL aufgrund ihrer mangelnden Tragfähigkeit nicht weitergeführt. Für die altorientalische Literatur ist diese Einteilung nicht zuletzt deshalb wenig sinnvoll, weil sie auf dem ‚aufgeklärten‛, westlichen Konzept einer zwischen ‚Religion‛ und ‚Wissenschaft‛ bestehenden grundsätzlichen Differenz beruht. Anstatt dessen beruht die Systematisierung des Textbestandes für die Edition in der Reihe ‚KAL‛ im wesentlichen auf einer Einteilung in Textgruppen, die sich an inhaltlichen, strukturellen und formalen Gemeinsamkeiten orientiert und so der typologischen und funktionellen Vielfältigkeit der altorientalischen Keilschriftliteratur eher gerecht werden dürfte. Auf eine allzu scharfe Grenzziehung zwischen den einzelnen Textcorpora wird dabei bewusst verzichtet. Das Gros des für die Publikation in ‚KAL‛ vorgesehenen Textbestandes ist folgenden Textgruppen zugewiesen:

  • Divinatorische Texte
  • Ritualbeschreibungen und Gebete
  • Historische und historisch-literarische Texte
  • Mythologische Texte
  • Festbeschreibungen und Liturgien
  • Lexikalische Texte
  • Sumerische und zweisprachige sumerisch-akkadische Texte

Der Umfang dieser Textgruppen variiert beträchtlich; so füllen etwa die ‚Ritualbeschreibungen und Gebete‛ mehrere Bände, während z. B. für die mythologischen Texte bislang nur ein KAL-Band vorgesehen ist. Innerhalb mancher der größeren Textgruppen lassen sich Texte zu Untergruppen zusammenschließen, so beispielsweise in der Gruppe der ‚Ritualbeschreibungen und Gebete‛ die ‚Rituale und Beschwörungen gegen Schadenzauber‛ und die ‚Rituale zur Lösung des »Banns« (nam-érim-búr-ru-da)‛ oder in der Gruppe der ‚Divinatorischen Texte‛ die ‚Opferschau-Omina‛.

Da die Keilschrift erst im Kontext eindeutig lesbar wird, sind korrekte Lesungen kleiner Textbruchstücke und Zuweisungen von weniger gut erhaltenen Texten an inhaltlich definierte Textgruppen oft nicht möglich. Eindeutigkeit ist erst durch einen wiederhergestellten Kontext, d. h. durch Textzusammenschenlüsse (sog. ‚joins‛) zu erzielen. Aus diesem Grund werden die schlechter erhaltenen literarischen Texte aus Assur in eigens hierfür bestimmten Bänden vorgelegt. Da sie sich wiederum in zwei Gruppen einteilen lassen, nämlich die größeren bzw. besser lesbaren und die kleineren bzw. kaum lesbaren Textfragmente, sind für sie folgende zwei Publikationsformen vorgesehen:

  • Fragmente, die editionsphilologisch bearbeitet werden
  • Fragmente, die editionsphilologisch nicht bearbeitet werden

Die Bände, in denen die den inhaltlich definierten Textgruppen zugewiesenen Texte vorgelegt werden, bestehen aus einem Textteil und einem Abbildungsteil. Sie sind einheitlich nach folgendem Schema aufgebaut:

  • Textteil
    • Einleitung: Charakterisierung und Zusammensetzung der Textgruppe, Einführung in die Problematik, Darlegung des Forschungsstandes, kulturgeschichtliche Einordnung
    • Katalog: Aufführung der einzelnen Texte in numerischer Folge; die Katalogtexte enthalten die archäologischen Grunddaten, die Beschreibung des Erhaltungszustandes sowie eine kurze Erläuterung zum Inhalt eines jeden Textes
    • Textbearbeitungen: Transliterationen, Übersetzungen und kommentierende Bemerkungen zu den einzelnen Texten
    • Verzeichnisse: Konkordanzen und andere Zusammenstellungen, Wörterverzeichnisse, Indices zu Namen und Sachen
  • Abbildungsteil: Autographien aller Texte, Photographien ausgewählter Texte.

Die Bände, in denen die Textfragmente der kleinen und weniger gut erhaltenen Tontafelfragmente vorgelegt werden, sollen einheitlich nach folgendem Schema aufgebaut werden:

  • Katalogteil Aufführung der Textbruchstücke in numerischer Folge; die Katalogeinträge enthalten die archäologischen Grunddaten, die Beschreibung des Erhaltungszustandes sowie die photographische Abbildung eines jeden Textes; ggf. kommen Erläuterungen zum Inhalt, Autographien ausgewählter Passagen und kommentierende Bemerkungen hinzu.
  • Verzeichnisse Konkordanzen und andere Zusammenstellungen; Wörterverzeichnisse, Indices zu Namen und Sachen etc.
verantwortlich: Redaktion
Letzte Änderung: 13.03.2012