Buddhistische Steininschriften in Nord-China

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Die zweite Hälfte des 6. Jahrhunderts n.Chr. stellt für den chinesischen Buddhismus eine bedeutende Epoche dar. In den Jahren 577/578 litten die Gläubigen unter den Verfolgungen des säkularen Staates Zhou. Zugleich erzielten Mönche während dieser Periode große Fortschritte in der Übersetzung der Schriften Buddhas, was zu einem völlig gewandelten Verständnis seiner Lehre führte. Die ursprünglich aus Indien stammende Religion wurde nun in vielen Elementen der einheimischen Tradition angepaßt. Ihren Niederschlag fand diese historische Entwicklung in einzigartigen Steininschriften. Teils wurden die heiligen Texte in mühevoller Arbeit und in bis zu drei Meter hohen Zeichen in den gewachsenen Fels gemeißelt, teils wurden Inschriften in die architektonische Gestaltung von Höhlentempeln integriert. Mit diesem "Netz" aus Steininschriften schufen die chinesischen Buddhisten damals die mithin kulturhistorisch bedeutsamsten Monumente Nordchinas.

Aufgabe der im Jahr 2005 eingerichteten Forschungsstelle ist eine vollständige und systematische Dokumentation dieser teilweise erst in den letzten Jahren wieder entdeckten Steininschriften. Vor allem in den Provinzen Shandong, Henan und Hebei haben sich die Steininschriften über die Jahrhunderte erhalten. Die wissenschaftliche Auswertung der geschichtlichen wie auch der biographischen Informationen dieser Texte - nebst ihrer Kommentare - läßt die Sinisierung des Buddhismus in einem neuen Licht erscheinen. Von besonderem Interesse ist zudem, daß die Texte in unterschiedliche räumliche Zusammenhänge eingebettet sind. Sie verleihen der Landschaft sakralen Charakter: Monumentale Stelen verkünden die heiligen Texte, steile Felswände werden zu Orten der Meditation, und große Felsbrocken markieren bergansteigende Pilgerpfade.

Das Projekt basiert auf internationaler Zusammenarbeit, vor allem mit chinesischen Wissenschaftlern, die sich seit einigen Jahren wieder verstärkt religionshistorischen Fragen zuwenden. Darüberhinaus bestehen enge Verbindungen zu japanischen Gelehrten, die die hervorragende buddhologische Tradition ihres Landes fortführen. Interdisziplinär sind Forscher vom Fachbereich „Geoinformationswesen“ der Hochschule für Technik in Karlsruhe (FH) zur Klärung der topographische Situation der gemeißelten Texte in das Projekt mit eingebunden. Sie erstellen nicht nur einen Übersichtsplan aller Inschriften, sondern auch 3D-Modelle der Inschriftenorte, die eine Betrachtung und Lesung der Monumente im Computer ermöglichen.

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Verantwortlich: Redaktion
Letzte Änderung: 10.02.2014